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Psychiatrie: Besser behandeln als beschimpfen

16.07.2014

Oldenburg „Das ist doch schizophren“ oder „so ein Psycho“ sind gängige Ausdrücke in der Alltagssprache geworden. Eigentlich sind es Begriffe aus der Psychiatrie. „Schizophrenie zum Beispiel ist eine krankhafte, Leid verursachende Verhaltensweise, die medizinisch behandelt werden muss“, erklärt Prof. Dr. Markus Jäger, erster Karl Jaspers-Gastprofessor in Oldenburg und geschäftsführender Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie des Bezirkskrankenhauses Günzburg, das zur Uni Ulm gehört.

Pause vom Klinikalltag

Begrifflichkeiten differenziert zu verwenden, sei in der Psychiatrie von enormer Bedeutung. „Problematisch wird es, wenn diese Begriffe in die Alltagssprache übernommen werden und dabei ihre Bedeutung verändern. Das führt häufig zu einer Stigmatisierung“, sagt Jäger.

Da es nur für wenig psychische Erkrankungen eine neurobiologische Erklärung gebe, hätten Begriffe eine besondere Bedeutung in der Psychiatrie. „Die Wissenschaftlichkeit liegt in den Begriffen, die teilweise von Karl Jaspers eingeführt wurden“, so Jäger weiter.

Denn der in Oldenburg geborene Philosoph Karl Jaspers begann seine Karriere als Psychiater. So erschien zum Beispiel im Jahr 1913 die erste Auflage seines Buches „Allgemeine Psychopathologie“. Dieses Standardwerk ist noch heute aktuell, was angesichts der schnell voranschreitenden Forschung in der Medizin mehr als ungewöhnlich ist.

Die Gastprofessur soll dazu beitragen, Jaspers Verdienste im Bereich der Psychiatrie bekannter zu machen. Sie wird von der Karl Jaspers-Gesellschaft, der European Medical School und der Karl Jaspers-Klinik getragen sowie von der LzO finanziell unterstützt. Sie bietet jedes Semester einem renommierten Wissenschaftler den Raum, grundsätzlichen Fragen des ärztlichen wie psychiatrischen Denkens im Sinne von Karl Jaspers nachzugehen.

„Denn dieser Raum und auch die Zeit, die eigene Arbeit grundsätzlich zu reflektieren, fehlt im stressigen Klinikalltag“, so Prof. Dr. Matthias Bormuth, wissenschaftlicher Koordinator der Gastprofessur von der Uni Oldenburg. „Es kommt letztlich den Patienten zugute, wenn ein Arzt sein Handeln grundsätzlich überdenkt“, fügt Jäger hinzu.

Seine Entscheidungen immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen, spielt für Jäger eine wichtige Rolle: „Ich bin Oberarzt einer geschlossenen Station. Diese Position beinhaltet große Macht, da ich primär entscheide ob jemand entlassen wird oder bleiben muss. Diese Macht empfinde ich vor allem als Bürde. Sie trägt dazu bei, dass Selbstkritik für mich entscheidend ist.“

Das Schlimmste an seinem Beruf sei die Aggressivität, mit der Angehörige, Patienten und auch die Medien häufig Kritik üben. „Diese Aggressivität entsteht aus einer Emotionalität, die ich als Psychiater verstehe. Trotzdem ist es belastend, wenn man beschimpft wird, nur weil man Entscheidungen trifft“, sagt Jäger, der zum Beispiel einmal als „selbstherrlicher Napoleon, der sich zu wenig um seine Patienten kümmert“ bezeichnet wurde.

Psychiatrie benötigt

Jäger würde sich eine selbstkritischere Haltung seitens der Kritiker wünschen, zumal „die Gesellschaft die Psychiatrie braucht“. Die Kliniken seien übervoll. Wobei sich fast 90 Prozent der Patienten freiwillig dort aufhielten. „Wenn’s schwierig wird ist man froh, dass es uns gibt. So soll die Psychiatrie zum Beispiel für schwierige Straftäter, die ihre Haftstrafe verbüßt haben, eine Ordnungs- und Schutzfunktion übernehmen,“ führt Jäger aus. „Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es Patienten zu behandeln.“

„Die Vielfaltder religiösen Erfahrung. William James zur Einführung“ lautet der Titel eines Seminars, das Prof. Dr. Matthias Bormuth und Prof. Dr. Markus Jäger vom 25. bis 27. Juli im Karl Jaspers-Haus in Oldenburg anbieten. Weitere Informationen und Anmeldung per E-Mail an almut.siepmann@uni-oldenburg.de

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