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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Assistenzsystem für Menschen mit Behinderung

18.07.2018

Bremen Ein Softwaresystem, das sich den Emotionen seiner Nutzer anpasst, haben Wissenschaftler der Universität Bremen zusammen mit der Uni Augsburg und der Werkstatt Bremen entwickelt. Von den Beschäftigten und dem Betreuungspersonal in der Werkstatt für behinderte Menschen wurde der Prototyp begeistert aufgenommen.

Digitale Medien können Menschen mit Behinderungen helfen, neue Tätigkeiten zu erschließen oder bestehende Arbeiten besser zu bewältigen. Das Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen hat daher unter Leitung von Professorin Heidi Schelhowe im dreijährigen Projekt „Emotionssensitives Assistenzsystem zur Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen“ (EmotAsS) an einer Problemlösung gearbeitet.

Herausgekommen ist ein System, das sowohl die Beschäftigten unterstützt als auch ihre Betreuungspersonen entlastet. Es liefert nicht nur die notwendigen Instruktionen für eine Aufgabe, sondern reagiert auch auf den emotionalen Zustand der Anwender, um sie nicht zu über- oder unterfordern.

Den Prototypen des Systems nutzt die Werkstatt Bremen, Träger der Werkstatt für behinderte Menschen „Martinshof“, im Bereich Hauswirtschaft. Die Beschäftigten erhalten am Bildschirm Anweisungen für verschiedene Reinigungsaufgaben. Gesteuert wird das System hauptsächlich per Spracheingabe, wahlweise aber auch per Touchscreen oder über eine einfache Tastatur. Im Zuge der Spracherkennung ermittelt das System zusätzlich positive oder negative Emotionen sowie deren Intensität. Im Falle von negativen Gefühlen wird den Nutzerinnen und Nutzern angeboten, erst einmal ein beruhigendes Spiel zu spielen. Bei einem Mangel an Energie wird stattdessen eine kleine Verfolgungsjagd vorgeschlagen.

„In der Informatik versuchen wir heute, Gefühle zu erkennen und zu berechnen“, erklärt Schelhowe. An der Universität Bremen werde dies mit einer hohen Kompetenz in der Pädagogik verknüpft, um zu erforschen, wie die Informatik in Bildungszusammenhängen eingesetzt werden kann.

Bei dem Assistenzsystem gehe es darum, den Menschen mit Behinderungen mehr Verantwortung, Selbstbestimmung und Kontrolle zu ermöglichen, betonen auch die Projektmitarbeiter Christian Cohrs und Florian Lütkebomert. Die Emotionserkennung wurde dabei von der Universität Augsburg beigesteuert.

Die Beschäftigten in der Werkstatt Bremen, einer der größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland, haben das System sofort angenommen und ihm sogar einen Namen gegeben: „Georg“ heißt ihr digitaler Ratgeber jetzt. „Die Mitarbeitenden in der Hauswirtschaft haben eine Aufwertung ihrer Tätigkeit durch das Projekt erfahren, sie sind sehr begeistert“, berichtet Werkstattleiter Hinderk Ulferts.

Seitens der Betreuenden habe es zunächst Berührungsängste gegeben, weil sie in dem Assistenzsystem eine Gefahr für ihren Arbeitsplatz sahen. Mittlerweile seien sie jedoch froh über die Entlastung, denn „Georg“ beantwortet die häufig wiederkehrenden Fragen der Beschäftigten immer wieder mit Engelsgeduld.


     www.emotass.de 
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