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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Keine Zeit für Freunde und Sport

17.01.2018

„Ich habe heute leider keine Zeit. Muss noch was für die Uni machen.“ „Sport treiben? Nee, dazu komme ich gar nicht mehr.“ Fallen Sätze wie diese häufig, sollten Studierende aufmerksam werden. Denn sie können Anzeichen dafür sein, dass jemand sich dauerhaft überanstrengt. Das sagt Wilfried Schumann, Leiter des Psychologischen Beratungs-Service von Studentenwerk und Universität Oldenburg.

Frage: Was sind weitere Anzeichen für einen beginnenden Burnout?
Schumann: Wenn es immer weniger gelingt, sich auch mal vom Studium zu distanzieren und abzuschalten, wenn man in einem Dauerhamsterrad rennt und nichts anderes mehr unternimmt, ist das ein weiteres Symptom. Menschen, die sich zu viel aufhalsen, sind oft leistungsfähig und haben mit viel Engagement und Spaß an der Sache begonnen. Geht diese Freude verloren, ist das ein Alarmsignal. Schließlich kommt es auch zu psychosomatischen Beschwerden, wie etwa Schlafstörungen.
Frage: Wie kann man gegensteuern?
Schumann: Das ist ganz simpel und schwierig zugleich: Belastung reduzieren und Erholung forcieren. Das wollen die meisten Studierenden, die zu mir kommen, weil sie sich schlecht fühlen, aber nicht hören. Sie möchten, dass ich ihnen einen Weg aufzeige, wie sie ihr Pensum schaffen können. Sage ich ihnen, dass ihr Arbeitsvolumen meiner Ansicht nach nicht zu schaffen und gesundheitsgefährdend ist, erklären sie mir, dass sie aber dies müssen und das müssen und auf keinen Fall etwas weglassen können.
Frage: Was glauben die Studierenden leisten zu müssen?
Schumann: Sie sind zum Beispiel absolut überzeugt, dass sie überhaupt nur Chancen haben Karriere zu machen, wenn sie ihr Studium in der Regelstudienzeit oder schneller absolvieren oder wenn sie zu den besten zehn Prozent gehören.
Frage: Was antworten Sie Studierenden, die glauben ihr Pensum nicht verringern zu können?
Schumann: Ich frage sie zum Beispiel, wer denn in Frankfurt zwischen den Bürotürmen joggt. Das sind Manager, die verstanden haben, dass sie auch auf sich aufpassen müssen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen. Wer sich zu viel vornimmt und das mit noch mehr Anstrengung schaffen will, kann irgendwann überhaupt nicht mehr. Er ist ausgebrannt und hat keine Energie mehr. Die Studierenden sollten bedenken, dass sie auf diese Weise keines ihrer Ziele erreichen.
Frage: Leiden viele Studierende unter Burnout?
Schumann: Die schwere Form, bei der einfachste Handlungen, wie morgens aufzustehen, extrem anstrengend sind, kommt bei Studierenden sehr selten vor. Viele Studierende, die bei uns Beratung suchen, kommen aber, weil sie sich gestresst fühlen und keine Freude mehr am Studium haben. Da höre ich Sätze wie „Ich bin so froh, wenn das Studium vorbei ist. Das war die schrecklichste Zeit in meinem Leben.“
Frage: Werden die Anforderungen im Beruf denn weniger?
Schumann: In akademischen Berufen sicher nicht. Nehmen wir zum Beispiel Lehrer. Wenn diese mittags aus der Schule gehen, müssen sie immer damit klarkommen, dass es in ihrer Schule Kinder gibt, die mehr Unterstützung bräuchten, als sie ihnen geben konnten. Lehrer müssen lernen, mit dem zufrieden zu sein, was sie leisten können. Sonst gehen sie vor die Hunde. Im Studium sollten die Studierenden lernen, auf gesunde Weise damit umzugehen, dass weder sie noch ihre Umgebung je dem Ideal entsprechen werden.

Psychologischer Beratungs-Service unter   www.studentenwerk-oldenburg.de/pbs 
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