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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Einmaliges Großprojekt im Wattenmeer

20.01.2016

Oldenburg Künstliche Inseln in einem so stürmischen Meer wie der Nordsee anzulegen – dieser Herausforderung hat sich bis vor kurzem noch niemand gestellt. Wissenschaftler der Universität Oldenburg haben es gewagt. Sie wollen herausfinden, wie sich ein Anstieg des Meeresspiegels, wie er aufgrund des Klimawandels vorhergesagt wird, auf die Zusammensetzung der Arten in Salzwiesen auswirkt. Außerdem möchten sie erforschen, welche Pflanzen neu entstehende Inseln zuerst besiedeln.

„Um das untersuchen zu können, mussten wir künstliche Inseln anlegen. Wir konnten ja nicht davon ausgehen, dass im Versuchszeitraum von vorerst drei Jahren von allein genügend neue Inseln entstehen“, sagt Prof. Dr. Michael Kleyer von der Uni Oldenburg. Zumal es nicht ausreicht zu beobachten, welche Pflanzen und Tiere sich zuerst auf einer einzigen neuen Insel ansiedeln. „Wenn wir nur eine Insel untersuchen, können wir keine allgemeingültigen Erkenntnisse aus unseren Beobachtungen ableiten. Dann könnten die Ergebnisse auch Zufall sein. Den Zufall können wir nur ausschließen, wenn wir mehrere Inseln gleichzeitig betrachten“, erklärt Kleyer.

Deshalb haben Wissenschaftler und Studierende circa 400 Meter vor der Ostspitze Spiekeroogs im Watt zwölf künstliche Inseln angelegt. Eine erste Testinsel errichteten sie bereits 2013. Sie bestand aus einem Drahtgestell, das mit einem Geotextil ausgelegt und mit Sand gefüllt wurde. Der Draht brach jedoch aufgrund der ständigen Wellenbewegung, so dass die Insel die Herbststürme nicht überstand. „Das hat uns ziemlich entmutigt“, erinnert sich Kleyer. „Aber wir haben trotzdem nicht aufgegeben. Die neuen Inseln sind stabiler. Sie bestehen aus Körben aus gelochtem Schiffsstahl.“

So sind insgesamt mehr als 120 Quadratmeter neue Inselfläche entstanden. Sechs Inseln blieben unbepflanzt. Auf ihnen wird erforscht, welche Pflanzen sich als erste ansiedeln. Auf sechs weiteren Inseln wurden Pflanzenarten der Salzwiese angepflanzt – allerdings in der falschen Zone. Denn Salzwiesen gliedern sich in drei Abschnitte: Die Pionierzone wird täglich zweimal etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch von Wasser überflutet. Die untere Salzwiese wird ebenfalls täglich zweimal überflutet, aber nur im Bodenbereich. Die obere Salzwiese steht hingegen nur bei Springtiden und Sturmfluten unter Wasser. In jeder Zone wachsen charakteristische Pflanzenarten, die an das dortige Milieu angepasst sind.

„In unseren Versuchen simulieren wir einen Meeresspielanstieg, indem wir zum Beispiel Pflanzen aus der unteren Salzwiese in die Pionierzone gepflanzt haben“, sagt Kleyer. Die Wissenschaftler beobachten zum einen, wie lange es dauert, bis die Pflanzen aufgrund der für sie unpassenden Umweltbedingungen absterben. Zum anderen können sie durch den Vergleich mit den nicht bepflanzten Inseln auch erkennen, ob sich die typische Pflanzengesellschaft auf offenem Boden schneller etabliert, als auf einer bereits bewachsenen Fläche. Um abschätzen zu können, welche Rolle die Entfernung von anderen Pflanzen spielt, wurden die gleichen Versuchsflächen in Salzwiesen auf Spiekeroog angelegt.

Nach einer Vegetationsperiode werden erste Trends sichtbar: Die Hypothese, dass auf den neuen Inseln vor allem Pflanzenarten wachsen, die sich am besten ausbreiten, hat sich bewahrheitet. „Die Samen mancher Pflanzen können schwimmen, andere werden vom Wind ausgebreitet“, erläutert Kleyer. „Exemplare solcher Arten haben wir auf den künstlichen Inseln auch auf Flächen gefunden, auf denen sie in der Salzwiese sonst nicht vorkommen, weil sie dort von besser angepassten Arten verdrängt werden“, sagt der Landschaftsökologe.

Studienwie die der Oldenburger Wissenschaftler auf den künstlichen Inseln waren bis vor kurzem im Wattenmeer kaum möglich. „Die Auszählung der Pflanzenarten ist zeitaufwendig. Die Übernachtungskosten auf den Inseln waren schlicht zu hoch“, sagt Prof. Dr. Michael Kleyer von der Universität Oldenburg.

Wohnungen und Labore für Forscher wurden auf dem Gelände der Herrmann Lietz-Schule auf Spiekeroog gebaut. Hier können die Wissenschaftler kostengünstig übernachten und verderbliche Proben sofort analysieren.


     www.icbm.de/wissenschaftliche-projekte/befmate/ 
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