• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Navigieren wie vor hundert Jahren

13.06.2018

Elsfleth Navigieren mit dem Sextanten, Segel setzen von Hand, steuern mit einem großen Holz-Steuerrad ohne Servo-Unterstützung – auf dem Schulschiff Großherzogin Elisabeth segeln Nautik-Studierende der Jade Hochschule wie vor hundert Jahren. Wie das läuft, erlebe ich bei einer Tagesfahrt auf der Weser.

Wozu ist diese altertümliche Art ,ein Schiff zu steuern, in Zeiten moderner Navigationsgeräte und Autopiloten eigentlich gut? „Im Notfall muss ein Kapitän sein Schiff auch navigieren können, wenn etwa die elektronische Seekarte ausfällt“, sagt Jens Wilbertz, Kapitän und Dozent an der Jade Hochschule. „Außerdem darf man sich nicht zu sehr auf die Technik verlassen. Das GPS kann zum Beispiel gestört sein. Ein Schiff, das mit Autopilot fährt, merkt das nicht“, fügt Sascha Raith, Nautik-Student im sechsten Semester, hinzu.

Einzige Hochschule mit Schulschiff

Zu seinem Studium gehören zwei Ausbildungsfahrten auf der Lissi, eine im ersten und eine im sechsten Semester – jeweils vor den Praxisphasen. „Die Studierenden erwerben dabei bereits die Bescheinigung, dass sie ein Schiff steuern können. Das schätzen die Reeder, die die Praktikumsplätze anbieten durchaus. Die Lissi gehört dem Schulschiffverein „Großherzogin Elisabeth“ e.V.. Unsere Studierenden können sie nutzen. Diese Praxisnähe im Studium kann bundesweit nur die Jade Hochschule bieten“, so Wilbertz.

Elsfleth, Helgoland, Dänemark, Malmö, Oslo und Wilhelmshaven waren die Stationen der letzten Fahrt, an der Sascha Raith teilgenommen hat. „Es war schon sehr interessant und spannend, zum Beispiel mit dem Sextanten zu navigieren. Bestenfalls kann man damit auf eine halbe Seemeile genau seine Position bestimmen – wir haben es auf eine dreiviertel Seemeile geschafft“, berichtet Raith. „Für ein Revier wie die Weser, auf der wir gerade unterwegs sind, ist das natürlich nicht geeignet. Hier kann man sich viel besser an Landmarken oder Tonnen orientieren. Aber auf dem offenen Ozean könnten wir damit unser Ziel erreichen.“

Übung mit komplett verdunkelter Brücke

Moderne Navigationsgeräte, wie elektronische Seekarten, GPS und Radargeräte, gibt es auf der Großherzogin Elisabeth natürlich auch. „Damit üben wir auch, bei dickem Nebel zu navigieren“, sagt Wilbertz. „Ist zum Beispiel in der Flensburger Förde im Herbst nicht viel Schiffsverkehr, verdunkeln wir die Brücke komplett und steuern das Schiff nur mit den Instrumenten. Für den Notfall stehen zwei Studierende an Deck. Sie greifen ein, falls bei der Übung etwa ein Schiff übersehen wird.“

Sind solche Übungen in Zeiten von Schiffsführungssimulatoren überhaupt noch nötig? „Echt kann man nicht hundertprozentig simulieren“, lautet Wilbertz eindeutige Antwort. Einen Eindruck davon gewinne ich als völlig segelunerfahrene Redakteurin: Im Simulator ein riesiges Containerschiff bei guten Wetterverhältnissen in Richtung Jade-Weser-Port zu steuern, ist schon eine Herausforderung. Es verlangt viel Übung, bis man heraus hat, mit welcher Verzögerung das Schiff reagiert, wann man bereits gegensteuern muss, damit es nicht über den angegebenen Kurs hinausschießt, welchen Einfluss Wind und Strömung haben und so weiter.

Aber das Steuer der Lissi bei gesetzten Segeln und böigem Wind zu übernehmen, ist eine ganz andere Liga. Sicher, solche Bedingungen kann man auch am Simulator einstellen, aber wenn ich dort eine Kaimauer ramme, passiert nicht wirklich etwas – wenn mir das mit der Großherzogin Elisabeth passiert, schon.

Finden Sie Ihren Traumjob auf NWZ-Jobs.de!

NWZ-Jobs.de
Finden Sie Ihren Traumjob auf NWZ-Jobs.de!

Weitere Nachrichten:

Jade Hochschule

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.