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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Seekrankheit auf festem Boden

03.01.2018

Elsfleth Die Wellen schlagen hoch, alles schaukelt scheinbar auf der Schiffsbrücke. Automatisch mache ich Ausgleichsbewegungen. Völlig sinnlos. Schließlich steht die Brücke still. Nur das Meer und das Ufer auf den Bildschirmen, die wie Fenster aussehen, bewegen sich. Trotzdem habe ich auf Brücke eins im Schiffsführungssimulator der Jade Hochschule in Elsfleth das Gefühl, gleich seekrank zu werden.

„Das nennt man Simulatorkrankheit“, erklärt Kapitän und Dozent Jens Wilbertz. „Unser Gehirn weiß, dass wir auf festem Boden stehen, aber die Augen melden, dass sich alles bewegt. Das kann ähnliche Symptome auslösen wie Seekrankheit.“

Zum Glück glättet sich die See urplötzlich – im Simulator ist das eine der leichtesten Übungen. Vor der Brückencrew, sechs Nautik-Studierenden im vierten Semester, breitet sich die Hafeneinfahrt von Sydney mit dem berühmten Opernhaus und der Harbour Bridge aus. Unter dieser Brücke sollen wir durchfahren und an einem bestimmten Kai festmachen.

Erstes Problem: Die Lotsen streiken. Der Kapitän, Student Christian Berning, muss sein Küstenmotorschiff (Kümo) also ohne Hilfe steuern. „Das ist ein wichtiger Teil unserer Ausbildung. Schließlich können unsere Absolventen auch den Beruf des Lotsen ergreifen. Außerdem kann im Extremfall ein Lotse zum Beispiel einen Herzinfarkt erleiden. Dann muss der Kapitän sein Schiff auch selbst anlegen können“, erläutert Wilbertz.

Heute müssen die Studierenden mit mehreren außergewöhnlichen Ereignissen klar kommen. So kann die Leistungsfähigkeit des Simulators schließlich am besten demonstriert werden.

Mit Hilfe von elektronischen Seekarten und Radar fahren die Studierenden in den Hafen. „Heute haben wir ausnahmsweise gute Sicht, auch wenn es schneit. Normalerweise müssen wir im Dunkeln navigieren, also nur nach Radar und Seekarten“, sagt Berning.

Hinter der Harbour Bridge taucht ein Hubschrauber auf. Er will offensichtlich unter der Brücke durchfliegen. Plötzlich ändert sich die Ansicht auf allen Bildschirmen. „Jetzt sitzen wir im Hubschrauber“, stellt Berning fest. „Dann fahren wir eben nach Radar und Karten – wie sonst auch. Da unten ist ja auch unser Schiff.“

Die Studierenden behalten die Ruhe und ihre Anzeigen im Blick. Auch als ein Lotsenboot auf einmal direkt auf uns zukommt. „Ruder hart Backbord“, kommandiert Berning. „Ruder liegt hart Backbord“, bestätigt Rudergänger Jonas Geisel und legt das Steuerrad so weit wie möglich nach Backbord. Das Manöver gelingt. Keine Kollision.

Auf einer Brücke muss jede Anweisung bestätigt werden. „So kann man sicher sein, dass keiner unaufmerksam ist. Außerdem wird die gesamte Kommunikation auf Schiffsbrücken aufgezeichnet. Dadurch kann man bei Unfällen ermitteln, ob es auf der Brücke Probleme gegeben hat“, führt Berning aus. „Denn der Kapitän ist immer verantwortlich – auch wenn er schläft. In kritischen Situationen muss er deshalb immer auf der Brücke sein.“

Im Schiffsführungssimulator können solche kritischen Situationen geübt werden. Es ist auch möglich, Unfälle wie etwa das Öltankerunglück der Exxon Valdez, nachzustellen. „Das kann helfen, die Unglücksursache herauszufinden“, sagt Wilbertz. Doch zuerst steht natürlich der Normalbetrieb auf dem Stundenplan der Studierenden: mit Navigation, Wachdienst und Kollisionsvermeidung sowie Manövrieren.

Insgesamt absolviert jeder Studierende in Elsfleth etwa 160 Übungsstunden im Simulator. „Damit liegen wir in Deutschland im Spitzenbereich“, so Wilbertz. Bei diesen Simulationen können die Studierenden verschiedene Schiffstypen vom Kümo bis zu den größten Containerschiffen führen. Auch unterschiedliche Seegebiete von der Deutschen Bucht beispielsweise über Rotterdam, San Francisco bis Singapur sind realistisch nachgebildet.

„Die Übungen am Simulator sind sehr wichtig, können aber kein Schiff ersetzen“, sagt Wilbertz. Deshalb gehören zu dem achtsemestrigen Nautikstudium zwei Praxissemester auf Schiffen sowie Fahrten auf dem Ausbildungsschiff „Großherzogin Elisabeth“.

Im Hafen von Sydney herrscht mittlerweile dichter Nebel. Keine Sicht. Die Studierenden steuern ihr Schiff dennoch genau auf den Liegeplatz zu. Netterweise klart es kurz vor dem Anlegen auf. Alles läuft glatt.

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