• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Jaspers-Gastprofessur: Genau hinsehen und Therapien weiterentwickeln

08.07.2015

Oldenburg „Gute Psychiatrie ist genau hinsehen und fragen, was der Patient erlebt. Immer auf dem aktuellen Stand der Forschung zu sein und Behandlungsmethoden weiterzuentwickeln, ist ebenfalls entscheidend“, sagt Prof. Dr. Dr. Martin Bürgy. Der Mediziner und Philosoph ist Ärztlicher Leiter des Zentrums für Seelische Gesundheit am Klinikum Stuttgart und in diesem Sommersemester Inhaber der Karl Jaspers-Gastprofessur.

Depressionen sind das große Thema seiner Gastprofessur. „Spannend an Bürgys Herangehensweise ist, dass er verschiedene Perspektiven zusammenbringt: Erfahrungen aus der Klinik, Forschung und philosophische Ansätze“, findet Prof. Dr. Matthias Bormuth, Inhaber der Heisenberg Professur für Vergleichende Ideengeschichte an der Uni Oldenburg, der in enger Abstimmung mit der European Medical School die Gastprofessur koordiniert.

Dass es mit Blick auf die Forschung auch sinnvoll ist, ältere Beiträge zu kennen, führt Bürgy am Beispiel der Angst aus: „Aktuell spielt die Behandlung der Angst bei depressiven Patienten keine Rolle, wenn man den vorgegebenen diagnostischen und therapeutischen Schemata folgt. Das war Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts anders.“

Die Angst zu behandeln ist nach Bürgys Meinung besonders bei depressivem Wahn extrem wichtig. Diese Ansicht teilten viele seiner Kollegen und gäben ihren Patienten angstlösende Medikamente. „Die meisten haben aber ein schlechtes Gefühl dabei, weil sie fürchten die Patienten abhängig zu machen“, so Bürgy. Diese Sorge sei zwar berechtigt, doch könne keine psychotherapeutische Intervention erfolgreich sein, so lange der Patient unter diesen psychotischen Ängsten leide.

„Schuldgefühle können zum Beispiel der Auslöser der Angst sein und sich aufgrund der depressiven Entwicklung bis zum Schuldwahn steigern. Ist ein Mensch stark darauf fixiert, es anderen stets recht zu machen und eigene Bedürfnisse zurückzustellen, kann das zu depressiver Erschöpfung, Versagenserleben und zunehmender Angst führen“, erläutert Bürgy. „Beginne ich mit diesem Patienten eine Psychotherapie und arbeite seine Lebensgeschichte auf, wird sein ganzes Leben mit der negativen Sicht von sich selbst und anderen überzogen. Seine Erinnerungen werden verfälscht, die Angst wird nur schlimmer.“

Erst wenn die Angst aufgrund der medikamentösen Behandlung unter Kontrolle ist, können Wahn und depressive Symptomatik abklingen. Dann kann mit der Aufarbeitung der Familiengeschichte begonnen werden. Die angstlösenden Medikamente sollten ab diesem Zeitpunkt langsam abgesetzt werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden oder abzubauen.

Entscheidend bei der Therapie ist laut Bürgy zum einen genau zu prüfen, ob das Behandlungsschema wirklich auf den Patienten passt und es gegebenenfalls anzupassen, zum anderen dem Patienten zu erklären, warum welche Medikamente nötig sind und ihn auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen. „Antidepressiva etwa lösen bei schweren Depressionen in zu hoher Dosierung Angst und Unruhe aus“, sagt Bürgy. „Das Nichtbeachten dieser Nebenwirkungen und das nicht rechtzeitige Gegensteuern kann die Symptomatik bis zur Suizidalität steigern.“

Tägliche Gespräche, in denen Patienten vor allem zu Beginn der Therapie nach ihrem Erleben sowie den Medikamentenwirkungen und -nebenwirkungen befragt werden, seien unabdingbar. „Durch diese Gespräche entwickeln die Patienten Vertrauen. Sie merken anhand der gestellten Fragen, ob der Arzt sich auskennt und dass er sie optimal begleitet und sie gehalten und nicht ausgeliefert sind“, erklärt Bürgy.

NWZ-Jobs.de
Finden Sie Ihren Traumjob auf NWZ-Jobs.de!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.