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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Krankheitsbegriff immer weiter gefasst

11.02.2015

Oldenburg /Wehnen Wann ist ein Mensch psychisch krank und wann zum Beispiel nur traurig? „Der Krankheitsbegriff in der Psychiatrie verändert sich seit einigen Jahren. Er wird immer weiter gefasst“, sagt Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz. Er ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin und einer der renommiertesten Psychiater Deutschlands. In diesem Wintersemester hat er die Karl Jaspers-Gastprofessur in Oldenburg inne.

Kürzlich hat Heinz ein Buch mit dem Titel „Der Begriff der psychischen Krankheit“ im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Auch der in Oldenburg geborene Philosoph und Psychiater Karl Jaspers hat sich mit dieser Thematik beschäftigt, die einen Schwerpunkt dieser Jaspers-Gastprofessur bildet.

„Die aktuelle Diskussion dreht sich um die Grenze zwischen ,normalen’ Leidenszuständen und Krankheit“, erklärt Heinz. „Trauer ist beispielsweise keine Krankheit. Es kann aber sein, dass ein trauernder Mensch depressiv wird. Die Depression sollte natürlich behandelt werden dürfen, und dazu muss eine Diagnosestellung möglich sein.“

Kriterien überarbeitet

Die Diagnose psychischer Erkrankungen erfolgt nach bestimmten Kriterien. Diese Kriterien werden seit einiger Zeit überarbeitet. „Vor allem in den USA hat sich bereits viel verändert. Auch in Deutschland ist vieles im Umbruch“, führt Heinz aus. „In den USA durfte bei Trauernden nach den alten Regeln sechs Monate nach dem Todesfall keine Depression diagnostiziert werden.“

Diese Frist wurde jetzt verkürzt. Daraufhin ging ein Aufschrei durch die Presse: Die Menschen befürchten, dass sie sofort wieder zu hundert Prozent funktionieren müssen – obwohl sie gerade einen geliebten Menschen verloren haben. Einerseits kommt die Fristverkürzung depressiven Menschen zugute, sie können jetzt früher behandelt werden. Andererseits steigt der Leistungsdruck auf die anderen.“

Ein Problem – unterschiedliche Blickwinkel. Dabei, verschiedene Perspektiven nachzuvollziehen, dürfte Heinz seine vielfältige Ausbildung zugute kommen: Der Jaspers-Gastprofessor ist habilitierter Mediziner, Anthropologe und Doktor der Philosophie.

„Eigentlich muss er doppelt gelebt haben – bei der Vielzahl an Abschlüssen und Projekten“, kommentiert Prof. Dr. Alexandra Philipsen die Vita ihres Kollegen. Sie ist Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Karl-Jaspers-Klinik und Inhaberin des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS). Die wissenschaftliche Koordination der Gastprofessur liegt in enger Abstimmung mit der EMS bei der Uni Oldenburg.

Philipsen schätzt die Karl Jaspers-Gastprofessur: „Es ist mir wichtig, neben der Grundlagenforschung und der Neurobiologie, den Blick für philosophische und gesellschaftliche Fragestellungen zu öffnen.“

Mit gesellschaftlichen Problemen wird Heinz in seiner täglichen Arbeit häufig konfrontiert. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt in den von seiner Klinik betreuten Berliner Bezirken bei 50 bis 70 Prozent. „Diese Menschen haben die gleichen Probleme wie andere auch. Dazu kommen noch ein paar weitere, wie zum Beispiel die Sprache“, sagt Heinz.

Dolmetscher zu höflich

„Für eine Therapie wird kein Dolmetscher bezahlt. Also übersetzt jemand aus der Familie oder irgendjemand, der die Sprache beherrscht. Gerade bei Frauen ist es aber oft schwierig, wenn ein Familienmitglied übersetzt, da die Probleme auch aus der Familie kommen können“, sagt Heinz. „Außerdem hat mich eine Türkisch-Dolmetscherin auf weitere Probleme bei der Simultan-Übersetzung hingewiesen: Im Türkischen bedeutet wörtlich übersetzt ,ich habe mir den Kopf erkältet’ eigentlich ,ich werde langsam verrückt’. Sie meinte zudem, dass sie es nicht übersetzen könne, wenn der Patient den Doktor beschimpft. Das sei schließlich unhöflich.“

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