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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Vision: Lähmungen überwinden

17.04.2019
Frage: Was möchten Sie und Ihre Kollegen aus der Arbeitsgruppe Neurokognition und funktionale Neurorehabilitation mit dem neuen Trainingsprogramm erreichen?
Dr. Cornelia Kranczioch: Unser Ziel, unsere Vision ist es, dass Menschen, die zum Beispiel wegen eines Schlaganfalls Lähmungserscheinungen haben, sich wieder möglichst gut bewegen können.
Frage: Wie kann man ein gelähmtes Körperteil trainieren?
Kranczioch: Über die Vorstellung. Wenn wir uns eine bestimmte Bewegung vorstellen, werden im Gehirn vergleichbare Regionen aktiviert wie bei der tatsächlichen Bewegung. Dieses Training ist sehr wichtig. Denn das Gehirn kann Fähigkeiten verlieren, nur weil diese nicht angefordert werden. Das ist so ähnlich wie bei einem Muskel, der sich zurückbildet, wenn er nicht bewegt wird.
Frage: Das heißt, jemand kann körperlich in der Lage sein, eine Bewegung auszuführen, es klappt aber nicht, weil das Gehirn die nötigen Befehle an die Muskeln verlernt hat?
Kranczioch: Ja, und dass kann durch den natürlichen Genesungsprozess sogar unterstützt werden. Normalerweise sind vor allem Regionen in der linken Gehirnhälfte aktiv, wenn wir die rechte Hand bewegen. Ist aber die linke Gehirnhälfte von einem Schlaganfall betroffen, versucht die rechte Hälfte das möglichst auszugleichen. Das heißt, sie ist auch aktiv, wenn der Betroffene die rechte Hand bewegen will und versucht praktisch den Job der linken, geschädigten Gehirnhälfte zu übernehmen – was aber normalerweise nicht gelingt. Wenn dazu kommt, dass der Patient die rechte, gelähmte Hand trotz verbliebener Restbeweglichkeit nicht mehr benutzt, verlernt das Gehirn die für die Bewegung der rechten Hand notwendigen Befehle. Diese „falsche“ Entwicklung soll unser Training möglichst verhindern oder wieder umkehren.
Frage: Ist es nicht schwierig, ein Training durchzuhalten, ohne Ergebnisse zu sehen?
Kranczioch: Deshalb haben wir das Neurofeedback in unser Training eingebaut. Über ein Elektroenzephalogramm (EEG) wird die Gehirnaktivität der Trainierenden gemessen. Die Daten gehen an einen Computer, der sie mit einem Aktivierungsmuster vergleicht, das für vorgestellte Bewegungen charakteristisch ist. Wird das Aktivierungsmuster erkannt, gibt es eine positive Rückmeldung.
Frage: Wie kann diese aussehen?
Kranczioch: Sehr unterschiedlich. Auf dem Bildschirm kann ein Balken zu sehen sein, der umso länger wird, je besser das Aktivierungsmuster erkannt wurde. In einer Studie wurden mittels Beamer Hände auf ein Bettlaken projiziert, die sich bei der richtigen Vorstellung schlossen. Wir arbeiten zur Zeit mit einer Kugel, die sich entsprechend der Vorstellung bewegt. Der Bildschirmhintergrund ist in verschiedenfarbige Flächen unterteilt. Anfangs liegt die Kugel in der dunkelblauen, wenn sie die Ecke mit dem hellsten blau erreicht, ist das am besten.
Frage: Funktioniert der Trainingsansatz?
Kranczioch: In unserer Pilotstudie hat eine Masterstudentin vier Wochen lang, alle zwei Tage mit drei Patienten geübt. Bei einem Teilnehmer hat sich die Bewegungsfähigkeit deutlich verbessert. Bei diesem und einem zweiten Teilnehmer hat sich die Gehirnaktivität wieder verstärkt auf die „richtige“ Seite zurückverlagert. Alle drei sagten, dass sie das direkte Feedback als motivierend empfunden haben.
Frage: Sie sprachen eingangs von einer Vision. Wie weit ist die Forschung weltweit?
Kranczioch: In den letzten gut 20 Jahren ist einiges erreicht worden. Allerdings gehören zu den Trainingsaufbauten meist große Geräte, die nur in Kliniken oder Forschungszentren stehen. Die Betroffenen müssen also alle zwei Tage dorthin kommen und das über mehrere Wochen. Das bedeutet eine enorme Anstrengung und kostet sehr viel Überwindung.
Frage: Gibt es keine andere Möglichkeit?
Kranczioch: An der Uni Oldenburg wird viel an mobilen Geräten geforscht. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Stefan Debener hat ein mobiles EEG entwickelt, das wir für die Pilotstudie verwendet haben. Noch ist es nötig, dass die EEG-Haube von uns angelegt wird. Wir arbeiten aber darauf hin, dass die Patienten sie auch zum Beispiel mit Hilfe eines Angehörigen oder Pflegers anlegen können.
Frage: Große Apparate in Kliniken, EEG, Beamer ... das klingt alles sehr technisch.
Kranczioch: Bisher standen auch vor allem die Technik und die Verbesserung der Algorithmen, mit denen die Computer arbeiten, im Vordergrund. Wir wollen uns verstärkt auch mit dem Trainingsumfeld befassen: Spielt zum Beispiel die Tageszeit eine Rolle? Man sagt ja, dass es effektiver ist, vor dem Schlafen zu lernen. Oder welchen Einfluss hat die Tätigkeit, die nach dem Training ausgeführt wird, auf den Erfolg?
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