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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Schäden durch Hochwasser minimieren

12.12.2019

Oldenburg /Wesermarsch Wie können die Menschen im Nordseeraum mit steigenden Hochwasserrisiken umgehen? Wie mit Gefahren klarkommen, die durch den Klimawandel verstärkt werden? Zum Beispiel mit Sturmfluten bei steigendem Meeresspiegel. Diese Fragen haben Wissenschaftler der Jade Hochschule in dem europäischen Forschungsprojekt FRAMES bearbeitet. Zusammen mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) haben sie im Landkreis Wesermarsch, der zu einem großen Teil unter dem Meeresspiegel liegt, die Organisation und Kommunikation innerhalb des Katastrophenschutzes untersucht. Auch konkrete Hinweise für die Bevölkerung haben die Wissenschaftler formuliert.

„Der technische Hochwasserschutz ist gut ausgebaut, reicht aber allein nicht aus“, erklärt Projektleiter Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule. Der Schutz muss auch in den Bereichen hochwasserangepasste Planung, Katastrophenmanagement und Nachsorgemaßnahmen weiter verbessert werden.

Mehr Risikobewusstsein

„Wir konnten das Bewusstsein für die Hochwasserrisiken in den am Katastrophenschutz beteiligten Organisationen und in der Bevölkerung steigern“, sagt der Wissenschaftler. „Jetzt müssen alle mit anpacken.“

Für den Katastrophenschutz und die Gefahrenabwehr sind die Kommunen zuständig. „Der enge Austausch mit den regionalen Akteuren hat gezeigt, dass der Landkreis Wesermarsch in vielen Bereichen bereits sehr gut aufgestellt ist“, sagt Bormann. Würde allerdings durch ein Hochwasser beispielsweise der Strom ausfallen, hätte das enorme Auswirkungen auf die Wasserversorgung, Entwässerung oder den Verkehr. Die Krankenhäuser und das Kreishaus sind mit Notstromaggregaten ausgestattet. „Wir haben jedoch festgestellt, dass bisher nur eins von neun Rathäusern in den Gemeinden über eine Notstromversorgung verfügt und damit im Katastrophenfall handlungsfähig wäre“, sagt Bormann.

Wenn im Fall einer Hochwasserkatastrophe die Stromnetzwerke abgeschaltet würden, werden auch die Schöpfwerke nicht mehr mit Strom versorgt, sodass die Entwässerung stark eingeschränkt wäre. Zudem seien Kommunikationssysteme wie Telefone oder Internet überwiegend von der Stromversorgung abhängig. Über alternative Systeme müsse nachgedacht werden.

Eigenvorsorge wichtig

„Auch wenn die öffentliche Hand in der Verantwortung für den Katastrophenschutz steht, spielt die Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger eine entscheidende Rolle“, sagt die Projektmitarbeiterin Jenny Kebschull. Es könnten beispielsweise bauliche Vorsorgemaßnahmen ergriffen, Versorgungsvorräte angelegt oder Versicherungen abgeschlossen werden.

Insbesondere der Verlust von Sachwerten könne durch Vorsorge und richtiges Handeln drastisch reduziert werden. Informationen von Warn-Apps, wie die vom Landkreis Wesermarsch genutzte KATWARN-App, können Warnmeldungen, die Wetter- und Wasserstandsvorhersagen gut ergänzen.

Vor allem landwirtschaftliche Betriebe müssten Eigenvorsorge betreiben, um sich vor Hochwasser zu schützen. Dieser Gruppe komme in der Wesermarsch mit 633 Rinderhaltern und über 122 000 Tieren eine besondere Bedeutung zu. Die Versorgung mit Notstrom sei für große Betriebe unabdingbar, denn ohne Strom laufen die modernen Melkmaschinen nicht und ein paar Hundert Kühe ohne moderne Technik zu melken sei schier unmöglich.

Die Wissenschaftler und lokalen Akteure haben für alle Einwohner und insbesondere für die Landwirte eine Handreichung zur Eigenvorsorge erarbeitet. Die Broschüre mit allen Informationen rund um das Projekt ist in allen Rathäusern in der Wesermarsch und online erhältlich.


     www.jade-hs.de/frames-roadmap 
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