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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Wenn Wachstum zum Dogma wird

25.02.2010

DELMENHORST Augen zu und weitermachen wie bisher – kommunale Planungsbehörden, die heute so agieren, laufen Gefahr, die ohnehin prekäre Finanzlage in zahlreichen Städten und Gemeinden noch weiter zu verschärfen. „Der Trend ist eindeutig“, sagt Dr. Ing. Marion Klemme, „der demographische Wandel, wirtschaftliche Umbrüche und Krisen führen in vielen Städten und ganzen Regionen zu weniger Einwohnern und Gewerbe und in der Folge zu sinkenden Steuereinnahmen.“ Doch damit könne man umgehen, wenn man denn wollte.

Die Diplom-Geographin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Expertin für Planungstheorie und Stadtentwicklung, sprach am Dienstagabend im City-Center auf Einladung der Delmenhorster Universitäts-Gesellschaft zum Thema „Stadtentwicklung bei leeren Kassen?“ und traf hiermit auch eine Delmenhorster Befindlichkeit. Die Folgen zurückgehender Wirtschafts- und Finanzkraft seien relativ schnell erkennbar: Leerstände von Wohnungen und gewerblichen Bauten, „Schandflecke“ in den Innenstädten. „Wenn es erst einmal so weit ist, ist es schwer, die Kurve zu kriegen.“

Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, auch aufgrund der Praxiserfahrungen, die sie als Beraterin in verschiedenen Kommunen leistet, hat Klemme festgestellt, dass der allergrößte Teil der Stadtplaner an weiteres Wachstum glaubt. Oder zumindest auf Wachstum hofft, denn reales Wachstum ist vielfach längst dem Gegenteil gewichen, der Schrumpfung. „Das Thema ,Schrumpfung‘ und ,leere Kassen‘ ist natürlich unpopulär“, sagte Klemme, „die Kommunen fürchten ein negatives Image.“ Die Folge: „Es läuft weiter nach dem Motto ,wie gehabt‘“. Es seien aber auch die Förderkriterien durch Land, Bund oder EU, die zu einem nur an Wachstum ausgerichteten interkommunalen Wettbewerb führten, stellte Klemme fest: „Viele Finanzzuweisungen sind Einwohnerzahl-abhängig, das ist der Knackpunkt. Man sollte darüber nachdenken, Zuweisungen Aufgaben-abhängig zu machen.“

Nach ihrer ernüchtenden Bestandsaufnahme erläuterte die Referentin, wie Stadtentwicklung trotzdem funktionieren könne. „Stadtentwicklung ohne Wachstum, das heißt lernen, mit einem ,Weniger‘ umzugehen. Das Augenmerk sollte sich auf den Bestand richten.“ Also statt Neubauten Wiedernutzung oder Umnutzung von Gebäuden. Innerstädtische Flächen und Infrastrukturen gelte es besser zu nutzen, auch fürs Wohnen. Eine Wohnbauflächenausweisung am Stadtrand könnte allzu leicht in eine weitere Kostenfalle führen.

In der lebhaften Aussprache, zu der Universitätsgesellschafts-Vorsitzender Dr. Christian Glaß die rund 50 Vortragsgäste im Anschluss einlud, wurden vor allem ganz konkrete Sorgen um die Entwicklung in Delmenhorst laut. Ganz obenan stand dabei das zurzeit heiß diskutierte Thema Einkaufszentrum. Doch auch allgemeine Sorgen wurden artikuliert. „Wie kann man die Politik motivieren, etwas zu tun?“, fragte zum Beispiel ein Zuhörer. „Wir müssen uns doch fragen, wie wollen wir in unserer Stadt in 20 oder 30 Jahren leben?“. Der Oberbürgermeister konnte nicht antworten; er war der Veranstaltung entschuldigt ferngeblieben.

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Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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