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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Studium: Zwischen Hörsaal und Wickeltisch

11.06.2014

Dortmund /Oldenburg Mit Anfang 30 stand für Nagihan Atan fest: Jetzt möchte ich ein Kind. Ihr Studium der Erziehungswissenschaften und Soziologie an der Technischen Universität (TU) Dortmund konnte sie davon nicht abhalten. „Ich hatte ja schon eine Ausbildung, habe neben dem Studium immer gearbeitet und hatte auch nicht mehr alle Zeit der Welt für ein Kind“, erinnert sich die heute 37-Jährige.

Als Mutter war Atan an der Uni unter den Studenten eine Ausnahme. Gerade fünf Prozent der Studierenden hatten 2012 ein Kind. Das geht aus der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor. Es heißt immer wieder, dass ein Kind während des Studiums doch eigentlich optimal ist. Die Argumente: Wenn es mit der Karriere mit Anfang 30 richtig losgeht, sind die Kinder bereits aus dem Gröbsten heraus. Außerdem sind junge Eltern häufig gelassener.

„Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind gibt es nie“, dachte sich Atan. Doch mit der Schwangerschaft kamen viele Fragen. Wie das Ganze finanzieren? Welche Hilfen bietet die Uni? Kann eine werdende Mutter sich vom Studium beurlauben lassen?

Werdende Eltern wenden sich zunächst am besten direkt an die Beratungsstelle der Uni oder des Studentenwerks, rät Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Von Wickeltischen über Stillräume bis zu Eltern-Cafés – viele praktische Informationen bekommen werdende Eltern dort.

Die Hochschulen in und um Oldenburg engagieren sich seit längerem und in weiter zunehmendem Maß für studentische Eltern. Sowohl die Universitäten Oldenburg und Vechta als auch die Jade Hochschule verfügen über Zertifikate, die ihnen Familienfreundlichkeit bescheinigen.

Unterstützung erhalten Studenten auch bei der Finanzierung ihres Lebensunterhalts mit Kind. Wer Bafög bekommt, kann etwa mit einem formlosen Antrag eine Verlängerung über die Höchstdauer hinaus beantragen. „Zusätzlich zum normalen Bafög-Satz gibt es einen Kinderbetreuungszuschlag für Eltern“, sagt Heiko Groen vom Studentenwerk Oldenburg.

„Wichtig ist, dass man sich so früh wie möglich beim jeweiligen Studentenwerk und beim Bafög-Amt informiert“, empfiehlt Grob. Häufig gebe es auch eine Möglichkeit, werdenden Eltern zinsgünstige Darlehen zu gewähren. „Und natürlich erhalten auch Studierende Elterngeld und Kindergeld“, sagt Jeanette Kratz von der Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt der TU Dortmund.

Schon einige Wochen nach der Geburt weiterzustudieren, funktioniert in der Regel nicht. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich für die Erziehung und Betreuung eigener Kinder vom Studium beurlauben zu lassen.

Trotzdem dürften junge Eltern häufig Seminare besuchen, Prüfungen ablegen und Hausarbeiten einreichen, so Kratz. „Die Beurlaubung ermöglicht es außerdem, Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II zu beantragen“, erklärt Marietta Fuhrmann-Koch, Sprecherin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

„Außerdem können studentische Eltern – im Gegensatz zu anderen Studierenden – Wohngeld beantragen“, erklärt Groen. „Wird dieses bezogen, haben Kinder zudem Anrecht auf Leistungen aus dem so genannten „Bildungs- und Teilhabepaket“.

Auch die Dozenten sollten möglichst früh informiert werden, rät Kratz. Viele hätten großes Verständnis für die besondere Situation von Studierenden mit Kindern. Sie gewährten zum Beispiel Fristverlängerungen bei Abgaben von Hausarbeiten.

Vier studentische Kindertagesstätten werden vom Studentenwerk in Oldenburg, Emden und Wilhelmshaven betrieben.

Flexible Betreuungfür den Nachwuchs bietet das Studentenwerk für einzelne Nachmittage in den Kitas in Oldenburg an. Ab dem kommenden Wintersemester gibt es dieses Angebot auch in Wilhelmshaven.


     www.studentenwerke.de 
     www.studentenwerk-oldenburg.de/kinder 

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