Cloppenburg - Einen geschätzt rund 1000 Jahre alten Holzkasten-Brunnen haben die Mitarbeiter der Archäologie-Fachfirma „Denkmal 3 D“ (Vechta) jetzt auf dem südlichen Teil der Baustelle rund um die St.-Andreas-Kirche gefunden. Dort hatten bis zu ihrem Abriss die alte Kaplanei und das Pfarrheim gestanden. Der historische Brunnen sei mutmaßlich im 11. Jahrhundert gebaut worden und habe höchstwahrscheinlich zu der Hofstelle gehört, die die Archäologen bereits vor einigen Jahren im Zuge der Bauarbeiten zur benachbarten St.-Andreas-Kita entdeckt hätten, so der Leitende Archäologe Dr. Gösta Ditmar-Trauth am Montag beim Ortstermin. Der Brunnen habe sich in einem ehemaligen Graben im Bereich der Hofausläufer befunden, wo die Archäologen bereits in Erdbefunden unter anderem Pfostenlöcher von Hofgebäuden und Zäunen festgestellt hatten.
Uraltes Prinzip
Der Holzkastenbrunnen ist von deutschen Fundorten als uraltes Prinzip bekannt. Erste Modelle lassen sich der Jungsteinzeit zuordnen, sind also um die 5000 Jahre alt. Dabei wurden mit Eckpfosten die dazwischen aufeinander gestellten Spaltbohlen stabilisiert. Seinerzeit – so das Archäologen-Ehepaar Dr. Gösta und Andrea Ditmar-Trauth – sei Holz noch mit Äxten bearbeitet worden, Sägen habe es damals noch nicht gegeben.
Neben den anderen archäologischen Arbeiten habe man rund eine Woche für die Ausgrabung des Brunnens gebraucht, so Dr. Gösta Ditmar-Trauth. Wenn Proben genommen und alles vermessen worden sei, werde der Brunnen unter anderem mit Geo-Vlies geschützt und dann mit Sand bedeckt. So könnten dann künftige Forscher- und Archäologen-Generationen in viel späteren Zeiten sich noch einmal mit dem historischen Brunnen beschäftigen. Bei einer Ausgrabung, so Dr. Gösta Ditmar-Trauth, werde das Objekt unweigerlich zerstört. Es gehe aber in diesem Falle ums Bewahren, ergänzt seine Frau Andrea.
Runde und steinerne Brunnen träten im Übrigen erst viel später in Erscheinung. Ein Brunnen aus Feldsteinen, der bei den archäologischen Arbeiten auf dem Gelände der abgerissenen Bauernschänke Wienken gefunden worden war, stammte beispielsweise aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.
„Andere Leute“
Bereits am 22. Juni hatte das Archäologen-Team berichtet, dass man auch auf der Südseite der Baustelle Teile des alten Rundwegs um die Kirche herum – mutmaßlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert – gefunden habe. Es sei allerdings auffällig, so Dr. Gösta Ditmar-Trauth am Montag, dass die Steine nicht ganz so schön angelegt gewesen seien wie auf der Nordseite. Das lasse darauf schließen, dass „andere Leute andere Steine verbaut hätten“ – und das vielleicht zu späterer Zeit. Der Rundweg könnte also nicht in einem Zug angelegt worden sein.
Viel Arbeit macht den Archäologen zurzeit das Ausgraben der vielen Skelette. Bekanntlich könnte der Friedhof rund um die Kirche im Zuge der Christianisierung nach der Zeit Karls des Großen (747 bis 814) angelegt worden sein. Ab 1877 wurde dann auf einem neuen Friedhof bestattet, weil der alte nach Tausenden Beerdigungen über die Jahrhunderte hinweg schlicht und ergreifend voll war.
Auch auf dem südlichen Teil des Kirchhofs, auch das haben die Archäologen inzwischen festgestellt, sei in der Frühen Neuzeit nach der Reformation ein Haus gebaut worden – ähnlich wie auf der Nordseite, wo die archäologischen Arbeiten schon seit Wochen abgeschlossen sind.
