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CO2-Speicher in Schwaneburgermoor Torfwerk Stadtsholte pflanzt einen Energiewald

Die Firma Wald21 aus Bayern ist mit ihren Stecklingen und einer Spezialmaschine nach Schwaneburgermoor gekommen: Baugeräteführer Jonas Jongeling (von links), Geschäftsführer Jörn Stadtsholte, Betriebsleiter Besim Bashota, Wald21-Mitarbeiter Adi Cinglu, sein Chef Wolfram Kudlich und Torfwerkchef Alois Stadtsholte.

Die Firma Wald21 aus Bayern ist mit ihren Stecklingen und einer Spezialmaschine nach Schwaneburgermoor gekommen: Baugeräteführer Jonas Jongeling (von links), Geschäftsführer Jörn Stadtsholte, Betriebsleiter Besim Bashota, Wald21-Mitarbeiter Adi Cinglu, sein Chef Wolfram Kudlich und Torfwerkchef Alois Stadtsholte.

Eva Dahlmann-Aulike

Schwaneburgermoor - Energiewälder haben Wolfram Kudlich und sein Team von Wald21 aus Uffenheim (Mittelfranken) schon in ganz Deutschland gepflanzt. Im Torfwerk Stadtsholte in Schwaneburgermoor sollen die schnellwachsenden Pappeln aber nicht verfeuert werden, sondern zu Holzfasern und damit zu Torfersatz werden. 40.000 Stecklinge der Balsampappel, einer speziellen Züchtung, setzen das Wald21-Team und die Torfwerk-Mitarbeiter jetzt auf einem zwei Hektar großen Acker an der Schwaneburger Straße gegenüber dem Torfwerk. Das war innerhalb von wenigen Stunden möglich, denn die Bayern hatten eine spezielle Pflanzmaschine mitgebracht.

Erneuerbare Rohstoffe

„Wir machen das, um Torf zu sparen“, sagt Torfwerkchef Alois Stadtsholte. „Wir sehen ein, dass wir CO 2 sparen und speichern müssen. Nachwachsende Rohstoffe sind das allerwichtigste in den kommenden Jahren.“ 250.000 Kubikmeter Material – Blumenerde, Rindenmulch, Kiefernrinde, Pinienrinde und Hackschnitzel – verlassen jährlich das Werk. Doch gerade was die Pflanzsubstrate angeht, habe es in den vergangenen Jahren massive Veränderungen gegeben. Heutzutage werde rund 70 Prozent weniger Torf verwendet, der vor allem für die Speicherfähigkeit einer Mischung zuständig ist. Ganz ohne Torf gehe es im gewerblichen Pflanzenbau nicht, aber Kompost, Rinde und eben Holzfasern sind bereits jetzt immer stärker im Einsatz.

Stadtsholtes Plan: In drei bis vier Jahren will er seine eigene Holzfaser ernten und auf kürzestem Weg in sein Werk schaffen. Und bei seinem eigenen Pappelwald soll es nicht bleiben. Gerne würde er weitere Flächen pachten oder Holzanbauern das Pappelholz abkaufen: „Zu fairen Preisen“, wie er versichert.

Die Pflanzmaschine setzt die Pappel-Stecklinge im Abstand von 50 Zentimetern.

Die Pflanzmaschine setzt die Pappel-Stecklinge im Abstand von 50 Zentimetern.

„Unterschätzter Baum“

„Die Pappel ist ein unterschätzter Baum, sie wachsen drei Mal schneller als schnellwachsende Nadelbäume“, sagt Wolfram Kudlich, der sich selbst als „Pappelbauer“ bezeichnet. „Das bedeutet drei Mal so viel Biomasse, drei Mal so viel CO 2 -Speicher.“ Mit seiner Firma produziert er seit 15 Jahren Stecklinge, und unterstützt Landwirte dabei, eigene Energiewälder zu pflanzen. Zu 95 Prozent würde diese das Holz in Form von Hackschnitzeln zum Heizen nutzen. Ein Hektar Energiewald reiche, um ein ungedämmtes Bauernhaus energieautark zu machen. Und wenn der Bayer von „Bauernhaus“ spricht, meint er ein Gebäude mit 200 bis 250 Quadratmetern Wohnfläche. Selbstversorger – also Landwirte, die selbst ernten und Hackschnitzel machen könnten – hätten Kosten, als wenn sie für einen Liter Heizöl 20 Cent oder eine Kilowattstunde Gas 2 Cent bezahlen würden.

40.000 Pappeln werden in Reihen auf einem zwei Hektar großen Feld gegenüber dem Torfwerk an der Schwaneburger Straße in Schwaneburgermoor gepflanzt. 

40.000 Pappeln werden in Reihen auf einem zwei Hektar großen Feld gegenüber dem Torfwerk an der Schwaneburger Straße in Schwaneburgermoor gepflanzt. 

Doch eigentlich habe die Pappel viel mehr zu bieten, versichert Kudlich. Dass sie Torfersatz sein könne, habe er nun hier gelernt. Sei aber zum Beispiel als Industrieholz für Paletten oder Papier geeignet, wenn man sie nicht zu alt werden lasse. Oder sie könne zu Dämmstoff verarbeitet werden. „Damit ist die Wertschöpfung viel höher, als wenn man das Holz nur energetisch nutzt“, sagt Kudlich.

Der Energiewald am Torfwerk Stadtsholte wird in drei bis vier Jahren zum ersten Mal geerntet werden können. Ein umgebauter Mähdrescher kann die Stämme dann noch zügig abernten. Sie werden schnell wieder nachwachsen. 30 bis 35 Jahre könne der Pappelwald mindestens genutzt werden, sagt Kudlich. Es sei eine „sanfte Form der Landwirtschaft“ ohne den Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmittel.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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