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Adipositas-Zentrum Friesoythe TV-Koch Christian Rach warnt vor Schnitzel-Verbot

Claudia Wimberg
Im Gespräch: TV-Koch und Buchautor Christian Rach (links) mit Bundestagsabgeordneten Silvia Breher und Chefarzt Dr. Ralf Weise.

Im Gespräch: TV-Koch und Buchautor Christian Rach (links) mit Bundestagsabgeordneten Silvia Breher und Chefarzt Dr. Ralf Weise.

Claudia Wimberg

Friesoythe/Wiefelstede - Ist der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten, ist es kaum eine Frage der Willenskraft, seine Pfunde unter Kontrolle zu bringen. Schließlich trifft man bei seinem Körper auf keinen Verbündeten, sondern vielmehr auf einen Kontrahenten. „Er denkt nämlich nicht, dass er mit einem niedrigeren BMI-Wert besser klar kommt, sondern kämpft gegen einen Gewichtsverlust“, erläuterte Professor Dr. Mirko Otto, Leiter des Adipositas-Zentrums der Uniklinik Mannheim, anschaulich das Dilemma rund um das Thema Fettleibigkeit. Inwieweit falsche Ernährung und mangelnde Bewegung als gesellschaftliches Problem einzustufen sind, war Schwerpunkt einer Podiumsdiskussion, zu der das Friesoyther Adipositas-Zentrum unter der Leitung von Dr. Ralf Weise während seines 8. Herbstsymposiums auf Gut Horn in Wiefelstede einlud.

Kein Moralapostel

Mit Christian Rach konnte der Chefarzt der Chirurgie am St. Marienkrankenhaus vor fachkundigem Publikum aus ganz Deutschland auch einen prominenten Teilnehmer in der Runde begrüßen. Der TV-Koch und Buchautor setzt sich seit vielen Jahren für eine gesunde Lebensweise ein, will jedoch kein Moralapostel sein und hält nichts von einer Verbotskultur. Auf Staat und Schule will Christian Rach nicht warten, „dann warten wir noch die nächsten 30 Jahre“, so der 66-Jährige. Und um den Ausbruch einer Revolution zu vermeiden, „darf die Gastronomie den Leuten auch nicht das Schnitzel wegnehmen“. Das müsse sie aber auch nicht, denn entscheidend sei ein gesellschaftlich relevantes Ernährungsbewusstsein ohne Extreme. Es ginge somit nicht um einen „Hobby-Adonis“ und die „gute Butter als kleiner Geschmacksträger“ sei ebenso wenig zu verteufeln wie mal ein „echter Burger“, von dem der gebürtige Saarländer mehr hält, als von manch veganer Industrievariante, „die angesichts ihrer Zutatenliste aus einem Chemielabor stammen könnte“. Junge Menschen müssten beispielsweise von Sportlern mit großer Reichweite, wie Bayern-Star Jamal Musiala, überzeugt und soziale Medien als Motivationsschub genutzt werden. Für den TV-Koch ist Digitalisierung mit all ihren Facetten und Möglichkeiten „das Zauberwort“.

Gute Strategie

Auch für Dr. Weise können Werbeträger mit guter Strategie und Massenpsychologie erfolgversprechend sein. „Es muss modern werden, sich zu bewegen und gesund zu leben.“ Mangelernährung zieht, so der Ärztliche Direktor, viele Folgen mit sich. „Und es ist immer ein Fehler, nur das Gewicht und das akute Problem zu sehen“, verweist Weise auf eine ganzheitliche Betrachtung.

Mit dabei war auch Bundestagsabgeordnete Silvia Breher, für die Ernährung als Schulfach kein Patentrezept ist. „Die Eltern sind in erster Linie von Beginn an gefragt und sollten nicht erst Jahre später feststellen, dass ihr Kind Gurken mag.“ Das gesunde Frühstück auch in Kitas zu fördern und Bewegungshallen einzurichten, sei darüber hinaus unablässig.

Professor Otto setzt neben Eigenverantwortung auch auf Regulierung und Netzwerken auf regionaler Ebene. Bei Zusammenschlüssen von Menschen mit gleichen Interessen, wie beispielsweise Hoteliers, Gastronomen oder Inhaber von Supermärkten, habe man direkt vor Ort mehr Möglichkeiten. Dabei werde auch die Städteplanung mit einbezogen, und man lege die Standorte für Fastfood-Restaurant und Skate-Parks bewusst fest.

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