Altenoythe - Erst vor zwei Jahren wurde höchstrichterlich entschieden, dass Menschen, die eine Vollbetreuung benötigen, an Wahlen teilnehmen dürfen. Zuvor wurde den Personen mit zumeist geistiger Behinderung das Recht auf Wahlen abgesprochen. Das ist zum Glück Vergangenheit. Und so dürfen zum Beispiel an der Bundestagswahl am 26. September wirklich alle Bürger ab 18 Jahren und mit deutschem Pass teilnehmen. Doch für Menschen mit Beeinträchtigungen ist es nicht immer leicht zu verstehen, wie genau zu wählen ist. Hier kommt Norbert Krümpelbeck aus Vechta ins Spiel. Er besucht im Vorfeld von Wahlen Einrichtungen, um den Beschäftigten und Bewohnern das Wahlsystem zu erklären. Und so war der 65-jährige ehemalige Leiter der Kreisvolkshochschule Vechta am Donnerstag in den Sozialen Werkstätten des Caritas-Vereins Altenoythe.
Vertrauensperson hilft
Er erklärte den rund 30 interessierten Teilnehmern zunächst, wie der Bundestag funktioniert. Dann ging er auf die Wahl ein, erläuterte, wer wählen darf, wie viele Stimmen man hat und wo gewählt werden muss. Er machte auch deutlich, dass es zulässig sei, eine Person des Vertrauens oder einen Wahlhelfer mit in die Kabine nehmen zu dürfen. Man müsse auch nicht begründen, warum man Hilfe benötige. Aber: „Nur Sie allein entscheiden, wen Sie wählen. Lassen Sie sich nicht beeinflussen“, richtete sich Krümpelbeck an die Zuhörer in Altenoythe.
Über Politik sprechen
Der Referent, selbst Vater eines Sohnes mit Downsyndrom, ermunterte die Zuhörer, sich im Vorfeld der Wahl über die Kandidaten und Parteien zu informieren. Er verwies dabei auf die Wahlprogramme, die in aller Regel auch in leichter Sprache verfasst wurden. Er selber lese oft auch nur diese Versionen, weil sie einfach zu verstehen und die Kernaussagen klar verständlich seien. Außerdem regte er an, in den Pausen mit Kollegen oder mit Freunden in der Freizeit über Politik zu diskutieren. „Machen Sie sich einfach ein eigenes Bild von den Parteien und Kandidaten“, sagte Krümpelbeck zum Abschluss.
Die Veranstaltung wurde organisiert von „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB), eine von der Caritas getragene und kostenlose Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung.
Die Beratungen zur Bundestagswahl finden derzeit in zahlreichen Einrichtungen im Oldenburger Münsterland statt. „Wir wollen damit so viele Menschen wie möglich erreichen“, erläuterte Renate Fatmann von der EUTB in Cloppenburg.
