Friesoythe/Hannover - Gummihose an, Ködereimer in die Hand und raus mit der Rute. Der Anglersport erfährt während der Corona-Pandemie deutschlandweit einen Boom. Auch in Niedersachsen ist das zu spüren, bestätigt Florian Möllers, Pressesprecher des Anglerverbands Niedersachsen. „Wir hatten jetzt ungefähr 4200, die ihre Prüfung online absolviert haben, insgesamt waren es 6300“, sagt Möllers. Mit Blick auf die vergangenen Jahre ist das ein Anstieg von 25 Prozent.
200 neue Mitglieder
Dieser positive Trend findet sich auch beim Fischereiverein Friesoythe mit seinen zehn Ortsgruppen wieder. „Wir haben ungefähr zehn Prozent mehr Eintritte als in den Jahren zuvor“, sagt Alwin Witte (51). Er ist 2. Vorsitzender im Verein und seit drei Jahren im Hauptvorstand. Davor war er 20 Jahre in der Ortsgruppe Friesoythe als Jugendwart tätig.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das beim Fischereiverein einen Anstieg von 2200 auf 2400 Mitglieder. „Darunter sind 150 Neulinge, die durch ihre Prüfung bei uns aufgenommen wurden“, sagt der 51-Jährige. Der älteste Neuling ist ein 79-Jähriger. „Zusätzlich haben wir noch fast 300 Kinder und Jugendliche von acht bis 17 Jahren“, sagt Witte weiter.
Dabei sind es nicht ausschließlich Neulinge, die im vergangenen Jahr aufgenommen wurden. „Wir haben viele ehemalige Mitglieder, die jahrelang ausgesetzt haben und im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie gesagt haben: ,Oh, ich hab ja einen Angelschein, ich könnte mir ja wieder eine Mitgliedskarte holen’“, erzählt der gebürtige Friesoyther, der in Bösel lebt.
Anfragen von Vereinen
Der Mitgliederzuwachs begann im April und hielt bis über den Sommer an. Auch jetzt im Januar war die Nachfrage ungebrochen. So rufen jede Woche sechs bis sieben Interessierte wegen einer Neuaufnahme in der Geschäftsstelle an. Der Altersdurchschnitt hat sich aber nicht verändert. Dieser liegt zwischen 35 und 51 Jahre. „Wir haben jetzt auch einige Anfragen von auswärtigen Vereinen, zum Beispiel Huntlosen oder Wardenburg, die scheinbar auch wieder mehr Zeit haben zum Angeln und andere Gewässer kennen lernen wollen“, fügt Witte hinzu.
Warum die Nachfrage so hoch ist, führt er auf die eingeschränkten Möglichkeiten wegen der Pandemie zurück. „Die Leute sind viel zu Hause und können nirgendwo hin.“ Das Angeln biete den Menschen eine Möglichkeit, raus zu kommen, ohne gegen die Kontaktbeschränkungen zu verstoßen. „Ich kann ans Wasser, bin frei, alleine, in der Natur, an der frischen Luft und habe Abwechslung von meinen vier Wänden“, beschreibt es Witte.
Nicht alles ist positiv
Zwar hat der Verein dank der Mehrzahl an Neuaufnahmen keine finanziellen Probleme, aber es bleibe einiges auf der Strecke. So konnten Angel-Aktionen zur Kontrolle des Fischbestandes nur vereinzelt durchgeführt werden. Zudem seien sämtliche Versammlungen ausgefallen. Das größte Problem sei aber das nicht stattfindende Vereinsleben. „Sonst kommt man zusammen zum Angeln, redet miteinander. Einfach diese Gemeinsamkeit, die ist nicht mehr vorhanden. Das habe ich von vielen gehört“, sagt Witte.
