Friesoythe - Weihnachten 1977. Die Bescherung war noch nicht zu Ende, aber die kleine Julia verschwunden. Die Eltern machten sich auf die Suche und fanden ihre dreijährige Tochter schließlich in der Küche. Dort saß sie vertieft am Tisch und malte. Die bunten Stifte mit einer Spitze in Pinselform waren ihr schönstes Geschenk, „auf alle anderen und den Weihnachtsbaum hätte ich damals wohl verzichten können“, erzählt sie beim Blick zurück.
„Von hier und da“
Die besondere Leidenschaft für die Kunst ist geblieben, ihr Können stellt Julia Siegmund regelmäßig publikumswirksam unter Beweis und ist heute eine mehrfach ausgezeichnete Künstlerin, die ab Freitag, 18. November, in ihrer Heimatstadt Friesoythe ausstellt. „Von hier und da“ lautet der Titel der Werkschau, die zurzeit im Trauringe-Atelier Hanneken vorbereitet wird. Kaufmann und Kunstsammler Frank Hanneken kennt die 48-Jährige bereits aus der Grundschule und nutzte auf dem Gymnasium ihr Talent clever zu seinen Gunsten.
„Mit Malen hatte ich nichts am Hut und fragte Julia, ob sie für mich meine Kunst-Hausaufgaben erledigt. 15 Punkte wie bei ihr durften es bei mir natürlich bei Weitem nicht werden, das hätte keiner geglaubt“, berichtet Hanneken, der schon damals unternehmerisches Geschick bewies und als Win-Win-Situation „mir dafür auch sofort Geld anbot“, ergänzt Julia Siegmund lachend.
Exklusiv für Friesoythe: Drei Grafiken, die die Künstlerin eigens für die Werkschau in der Heimat gefertigt hat.
Die damaligen Verbündeten sind bis heute in Verbindung geblieben, „und es freut und ehrt mich sehr, dass Julia eine Ausnahme macht und statt in der großen und renommierten Galerie nun in unserem kleinen feinen Kunstkabinett ausstellt“, so Hanneken.
Die in Nordhorn lebende studierte Künstlerin bewegt sich zwischen der „grafischen Malerei und der malerischen Grafik.“ Linien haben es ihr auf jeden Fall angetan, sie vereint verschiedene Horizonte und Perspektiven, die vielleicht nicht zusammenpassen, „so wie das Leben auch nun mal ist“, begründet sie Philosophie und Anspruch.
Somit soll sich auch nicht jeder Zusammenhang offenbaren, die Kunst für sich wirken und Fragen dürfen auch mal bleiben.
Die Künstlerin hat zu jedem ihrer Bilder einen Bezug, probiert viel aus und stellt in Friesoythe rund 50 Werke als Bandbreite ihrer Schaffenskraft aus. Zur damit verbundenen Exklusiv-Edition gehören drei Grafiken mit dem Titel „übertags gesagt“, die signiert und nummeriert zum Vorzugspreis angeboten werden.
Motiv auf Karte
In den Räumen zu sehen ist auch das Motiv, das die Einladungskarte zur Eröffnung ziert: Zwei Figuren sind eher schemenhaft dargestellt. Die eine sitzt, die andere steht, die Füße nackt. Als Julia Siegmunds Vater Manfred Koziolek das Bild betrachtete, lautete die spontane Reaktion des früheren Latein- und Griechischlehrers am Albertus-Magnus-Gymnasium: „Die Götter sind barfuß.“ Inspiriert „und auch berührt“ vom Kommentar des Seniors als Experte der Antike „hatte das Bild danach seinen Namen gefunden.“
