Cloppenburg - Auf Zuruf oder aus dem Bauch heraus wurden bisher besondere Persönlichkeiten von der Stadt Cloppenburg geehrt. Damit sollte Schluss sein und deswegen hat sich der Rat dazu entschieden, eine Satzung für die Vergabe von hohen Ehrungen zu verabschieden. So soll künftig einheitlich geregelt werden, wer einen Silbernen Löffel oder die Ehrenbürgerschaft bekommt. Doch wer hat eigentlich wofür bisher welche Auszeichnung bekommen? Das hat unsere Redaktion bei der Stadtverwaltung erfragt.
Als „Altbürgermeister“ werden die Verwaltungsleiter bezeichnet, die mindestens zwei Wahlperioden auf dem Chefsessel saßen und sich in ihrem Amt in besondere Weise um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. Den Titel tragen bisher drei Herren: Hermann Witte (Verleihung 1976), Bernd Thonemann (1991) und Joseph Voet (2001). Bei der Recherche hat Stadt-Sprecherin Friederike Schreiber außerdem heraus gefunden, dass Heinrich Winkler in einigen Publikationen als Altbürgermeister bezeichnet wurde. Dieser „Titel“ ist auch in der Todesanzeige vom 25. Oktober 1976 zu finden. „Zu einer offiziellen Verleihung dieser Ehrenbezeichnung liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor“, sagt Schreiber.
Höchste Auszeichnung
Als höchste Auszeichnung gilt die Ehrenbürgerschaft, die an lebende Personen, die sich „weit über das Maß hinaus um die Stadt Cloppenburg verdient gemacht haben“, verliehen wird. Im Jahr 1925 erhielten der Landdechant Eduard Brust und Heinrich G. Drüding die ersten Auszeichnungen. Ersterer lebte von 1842 bis 1926 und war 35 Jahre lang Pfarrer von St. Andreas. In seine Amtszeit fällt nach Ausführungen von Michael Hirschfeld im Buch „Biographien und Bilder aus 575 Jahren Cloppenburger Stadtgeschichten“ eine Verdoppelung der Katholikenzahl in der Stadt. Er habe sich durch Volkstümlichkeit und seinen „kernigen Humor“ ausgezeichnet. Besondere Aufmerksamkeit habe er dem Wallfahrtsort Bethen geschenkt, wo er 1916 einen Kirchenbauverein gründete. 1922 konnte er hier den Grundstein legen für die neue Wallfahrtskirche, die als Krieger-Gedächtniskirche für die gefallenen oldenburgischen Katholiken angedacht war. Die Inflation verzögerte aber die Fertigstellung, die er, als er 1926 starb, nicht mehr erleben konnte.
Drüding war im Alter von 16 Jahren in die USA ausgewandert und passte dort die Schreibweise seines Namen zu Henry an, geht ebenfalls aus dem Sammelband der Biographien hervor, Autor ist hier Klaus Niemann. Er bescheinigte Drüding eine Bilderbuch-Karriere im Stile „vom Tellerwäscher zum Millionär“. In North Philadelphia kaufte er ein Grundstück und baute mit seinem Zwillingsbruder Caspar – oder in den USA Charles C. – eine große Lederfabrik auf. Das Unternehmen florierte und Drüding fiel positiv durch das Bemühen um seine Mitarbeiter auf – vornehmlich deutsche Auswanderer. Die Brüder stifteten eine Million Dollar für die Errichtung eines Krankenhauses für Betriebszugehörige. Dort wird seit 1987 obdachlosen Frauen und Kindern geholfen.
Hilfe für Heimat
Heinrich Drüding war auch immer wieder in Cloppenburg zu Besuch. Er half nach dem Ersten Weltkrieg mit zwei Eisenbahnladungen voll Lebensmittel wie Speck, Mehl und Zucker. Er soll auch an der Finanzierung des Ausbaus der Mühlenstraße und der Langen Straße beteiligt gewesen sein. Auch für den Schulausbau und die Errichtung eines Wasserwerkes am Pingel Anton stellte er ein Darlehen bereit, schreibt Niemann. Er starb 1939 in Philadephia.
1927 wurde dann der dritte Ehrenbürger benannt: Max Ludwig Anton Meyer – später genannt Max Meyer-Tambusch. Er wurde 1847 in Cloppenburg geboren, geht aus dem Artikel von Wolfgang Imsiecke in „Biographien und Bilder aus 575 Jahren Cloppenburger Stadtgeschichte“ hervor. Seine Eltern betrieben die Gastwirtschaft Meyer und das Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft Thambusch an der Stirnseite der Mühlenstraße. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs Max in Osnabrück auf. Für die kaufmännische Ausbildung kehrte er zurück nach Cloppenburg. Er kämpfte im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
Nach Kriegsende übernahm er nach dem Tod seines ältesten Bruders die Leitung der elterlichen Geschäfte. 1881 zog er mit seiner Frau Ida in ein neues Geschäftshaus – die heutige Burg-Apotheke. In seiner Gastwirtschaft in der Nähe des alten Rathauses/Stadtkapelle wurde diskutiert, Politik gemacht. Es galt laut Imsieckes Ausführungen als „Kommunikationszentrale“. Hier wurde 1880 – auch auf Bestreben Meyers – mit der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg die erste Wehr im Oldenburger Münsterland gegründet.
Er war außerdem unter anderem 50 Jahre lang Mitglied im Stadtrat, gehörte zum Vorstand des Kleinbahnvereins, saß in der Kaufmannsgilde, war Ehrenmitglied im Liederkranz und gründete den Kriegsverein mit. 1931 verstarb er im Alter von 84 Jahren. Weitere sechs Ehrenbürger werden in weiteren Artikeln vorgestellt.
