Friesoythe/Cloppenburg - Wie steht es um die wirtschaftliche Situation der Friesoyther Eisenbahngesellschaft mbH (FEG), die die Bahnstrecke zwischen Friesoythe und Cloppenburg betreibt? Darum ging es im Verkehrsausschuss des Landkreises Cloppenburg. FEG-Geschäftsführerin Heidrun Hamjediers berichtete den Ausschussmitgliedern. Hamjediers, die auch Erste Stadträtin in Friesoythe ist, hatte den Posten erst vor Kurzem übernommen, nachdem die FEG in finanzielle Schieflage geraten war.
Die Probleme
„Wir können froh sein, dass wir eine Bahn-Infrastruktur haben, auf der wir aufbauen können“, sagte Hamjediers zuversichtlich. Jedoch könnten Züge die Strecke zurzeit nicht nutzen. Ein weiteres großes Problem ist weiterhin die finanzielle Lage der FEG, wie Hamjediers darstellte. So ist das Unternehmen hoch defizitär und verschuldet. Um eine Insolvenz abzuwenden, hatte die Stadt Friesoythe als Hauptanteilseignerin der Gesellschaft Anfang dieses Jahres eine Finanzspritze von mehr als 200 000 Euro gegeben. Doch auch damit werde die FEG nicht wieder auf eigenen Beinen stehen können. Das Unternehmen habe bislang jährlich über Trassenentgelte einen Umsatz von netto 10 000 Euro generiert und erhalte zudem jährlich 19 000 Euro von der Stadt Friesoythe, berichtete Hamjediers. Dagegen stünden aber wesentlich höhere Ausgaben, sodass derzeit am Ende immer ein hohes Minus stehe. Daher benötige die FEG weitere Mittel, um die Infrastruktur erhalten zu können.
Die Aufgaben
Um die Befahrbarkeit der Bahnstrecke wieder herzustellen, sind einige Aufgaben laut Hamjediers zu erledigen. Sichtbarstes und drängendstes Anliegen ist das Freischneiden der Strecke, die an vielen Stellen enorm zugewachsen ist. Bei einer Besichtigung unter anderem mit Vertretern der Landeseisenbahnaufsicht im April sei zudem ein Katalog mit Sanierungsmaßnahmen erarbeitet worden, die für einen weiteren Betrieb erfüllt werden müssen. „Das ist sportlich, aber machbar“, so Hamjediers. Ziel sei es, die Streckensanierung bis zum Jahr 2024 abzuschließen, sodass zumindest ein Güterverkehr ermöglicht werden kann. Dies ist auch notwendig, da die FEG dies vertraglich mit dem Garreler Unternehmen GS Agri vereinbart hat. Das Futtermittelwerk will ab Ende 2023 seine Getreidelieferungen auf die Schiene verlegen. Auf lange Sicht plant die FEG eine Überquerung des Küstenkanals und einen Bahnanschluss des C-Ports. Auch Personenschienen-Verkehr soll auf der Strecke möglich sein.
Mögliche Lösungen
Damit die FEG überleben kann, sind laut Hamjediers mehrere Schritte notwendig. So müsse das Eigenkapital der Gesellschaft erhöht werden. Die Stadt Friesoythe sei bereit, dieses auf 200 000 Euro zu erhöhen. Ebenso gebe es Interesse eines privaten Unternehmens sich an der FEG zu beteiligen. Des Weiteren müsse eine Regelung zur Abdeckung der laufenden Kosten gefunden werden. Hierfür schlug Hamjediers eine Patronatserklärung vor, die die Stadt Friesoythe oder der Landkreis Cloppenburg übernehmen könnte. Nach dieser würde eine der beiden Kommunen zeitlich und finanziell begrenzt das Defizit der FEG ausgleichen. Dies habe Friesoythe bereits bei der Wibef getan. Zudem berichtete Hamjediers, dass sie bei den weiteren Anliegerkommunen wie der Stadt Cloppenburg und den Gemeinden Bösel und Garrel darum werben wolle, sich finanziell zu beteiligen, da auch diese von einer aktiven Bahnstrecke profitieren würden.
Das sagt der Kreis
Kreisrat Ansgar Meyer sagte, dass es ein Glücksfall sei, dass die Stadt Friesoythe und die FEG 2003/2004 die Initiative zum Erhalt der Strecke ergriffen hätten. Sonst wäre diese abgebaut worden. Um den Güterverkehr und ÖPNV im Landkreis zu stärken, sei die Bahnstrecke von Ocholt über Sedelsberg und Friesoythe nach Cloppenburg eine Möglichkeit. Der Kreis hatte das Reaktivierungspotenzial bereits untersuchen lassen. Die Studie viel positiv aus. Daher habe der Landkreis ein besonderes Interesse am Erhalt der Strecke Cloppenburg-Friesoythe, so Ansgar Meyer. Derzeit übernimmt der Kreis 75 Prozent des Defizits der FEG. Es sollen jedoch Gespräche über weitere Beteiligungen geführt werden, sagte der Kreisrat. Auch Ausschussmitglied Hans Meyer (SPD) warb dafür, dass sich der Kreis finanziell stärker an der FEG beteilige, ähnlich wie bereits bei der Strecke Ocholt-Sedelsberg, die vom Güterverkehr genutzt wird.
