Barßel - Wohl jeder kennt das Volkslied „Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön“. Doch so rosig wie in dem Lied beschrieben ist die raue See nur selten. Das mussten am 11. Januar 1961 – vor rund 60 Jahren – auch die neun Seeleute des Frachters MS Münsterland am eigenen Leib erfahren. Sie alle kamen beim Untergang des Schiffes aus Barßel ums Leben. Am 14. Januar 1961 griff auch die Nordwest-Zeitung die Nachricht auf und schrieb auf der Titelseite „,Münsterland’ im Skagerrak vermißt“. Damals wurde die Katastrophe schon vermutet: Das Schiff sank vor der Küste Südnorwegens.
Was genau war den Seeleuten unter Kapitän Johannes Dierks aus Barßel passiert? Ganz genau weiß das bis heute keiner. Zehn Jahre später schrieb die Nordwest-Zeitung, dass es sich bei dem Unglück um „höhere Gewalt“ gehandelt haben soll. Der Bruder des Kapitäns, Theodor Dierks erinnerte sich damals noch an einen Funkspruch: „Wir kehren um und wir sinken“. Danach war Funkstille. Selbst eine ausführliche Seeamtsverhandlung, die ebenfalls in der Nordwest-Zeitung aufgegriffen wurde, konnte den Tod der neun Seemännern nicht aufklären.
Große Suchaktion
Dabei wurde in den Tagen nach der Vermisstenmeldung eine aufwendige Suche betrieben. Ganze 13 Schiffe suchten nach dem deutschen Frachter, berichtet damals Radio Göteborg. Schnell konnten die Rettungsboote des Frachters gefunden werden, doch beide waren leer. Trümmer und Ölflecken ließen darauf schließen, dass das Schiff gesunken war. Von der Besatzung konnten die Retter damals keine Spur entdecken.
Weil man so lange nicht wusste, was sich genau im Nebenmeer der Nordsee zugetragen hat, gab es teilweise auch Spekulationen, dass das Schiff auf eine Miene gelaufen sei. Das vermutete damals die norwegische Zeitung „Arbeiderbladet“. Auch eine Explosion an Bord war zu der Zeit im Gespräch.
Berühmtes Schiff
Damals war die MS Münsterland kein unbekanntes Seefahrzeug. Das Küstenmotorschiff war 1952 durch die Rettung der Besatzungsmitglieder eines schwedischen Flugzeugs bekannt geworden, das über der Ostsee von sowjetischen Düsenjägern abgeschossen worden war. Die Besatzung war damals von der schwedischen Regierung ausgezeichnet worden. Sie hatten sieben Menschen das Leben gerettet.
Den Namen hatte der Kapitän übrigens gewählt, um seine Heimat, das Oldenburger Münsterland, auch in der Welt weiter bekannt zu machen.
