Barßel - Silvia Breher hat es gleich am Anfang des Treffens schon treffend zusammengefasst. „Barßel ist nicht geografisch an der Spitze des Landkreises sondern auch touristisch“, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete. Breher besuchte während einer Tour durch ihren Wahlkreis am Mittwochmittag auch den Barßeler Hafen. Vor Ort wollte sie sich besonders über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Tourismus informieren.
Kein großer Ansturm
Dass diese Auswirkungen auch im hohen Norden des Landkreises deutlich spürbar sind, belegte Jens Lindstädt, Geschäftsführer des Touristikvereins Erholungsgebiet Barßel-Saterland: „Im Vergleich zum Vorjahr fehlen uns bereits Einnahmen von rund 25 000 Euro. Zurzeit verkaufen wir fast nur Fahrradkarten.“ Mit den zunehmenden Lockerungen steigen zwar wieder die Übernachtungszahlen, doch der große Ansturm bleibe weiterhin aus. „Eigentlich müssten jetzt in Deutschland alle Tourismusregionen boomen, denn die meisten Bürgerinnen und Bürger können und wollen ja nur in Deutschland Urlaub machen“, sagte Silvia Breher. Doch Lindstädt vermutet, dass die meisten Urlauber noch zögern. „Die Deutschen sind noch vorsichtig, was Urlaubsbuchungen angeht. Vielen ist die Situation noch nicht geheuer“, sagt Lindstädt.
Problem Versandung
Damit sich der Tourismus in Barßel verbessern kann, muss die dafür vorgesehene Infrastruktur aber auch erhalten und verbessert werden. Aktuell haben das Hafenbecken sowie Teile der Soeste und des Barßeler Tiefs mit Versandung zu kämpfen. „Wäre die MS Spitzhörn nicht – die immer wieder mit ihrem Antrieb die Fahrrinne frei hält – wäre es schon wesentlich schlechter um den Barßeler Hafen bestellt“, berichtet CDU-Fraktionsvorsitzender Hans Eveslage. Dem stimmte auch Jens Lindstädt zu: „Die Spitzhörn kann sowieso nur noch bei Hochwasser fahren.“ Denn die Gezeiten wirken sich auch im Barßeler Hafenbecken noch sichtbar aus.
Durch die Ems, Jümme und Leda wird der Sand laut Eveslage bis zur Soeste und ins Barßeler Hafenbecken getragen und setzt sich an den Rändern ab. „Vor rund zwölf Jahren fand die letzte Entsandungsmaßnahme im Hafen statt. Damals bekamen wir finanzielle Unterstützung vom Land“, sagte Bürgermeister Nils Anhuth. Silvia Breher versprach: „Ich nehme das Problem mit in die Bundespolitik. Denn der Barßeler Hafen ist wahrlich ein Schmuckstück und soll es auch bleiben.“
Nutzungskonzept
Damit aber auch weiterhin mehr Besucher nach Barßel kommen, plant die Gemeinde aktuell, mit einem neuen Nutzungskonzept für den Hafen mehr Übernachtungsplätze zu schaffen. „Dafür sollen unter anderem mehr Ferienhäuser im ganzen Ort entstehen, um nicht nur das Hafenareal, sondern auch den Ortskern weiter zu beleben“, sagte Bürgermeister Anhuth.
Der Rathaus-Chef fand bei dem Treffen auf einem der Hausboote im Barßeler Hafen aber auch deutliche Worte an alle Corona-Kritiker. „Ich denken bis jetzt ist Deutschland eines der Länder, die am besten mit der Krise umgehen. Es gibt nun mal keine Blaupause für so ein Szenario und für uns alle ist die Situation neu. Die respektlosen Äußerungen, die man in diesem Zusammenhang zum Beispiel in den sozialen Netzwerken liest, haben mich erschüttert“, so Anhuth.
Für Breher ist es jetzt besonders wichtig, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt. „Wir haben in Deutschland zurzeit sieben Millionen Menschen in Kurzarbeit. Diese Jobs müssen wieder hergestellt werden“, sagte die Bundestagsabgeordnete.
