Barßel - Nur noch 324 Euro pro Einwohner nahm die Gemeinde Barßel im vergangenen Jahr an Gewerbesteuern ein. Mit insgesamt gut 4,2 Millionen Euro so wenig wie seit einigen Jahren nicht mehr und pro Einwohner weniger als jede andere Kommune im Landkreis Cloppenburg.
Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass die Industrie- und Gewerbebetriebe in Barßel besonders von der Corona-Epidemie und von den deshalb ergriffenen Maßnahmen betroffen sind. „Das kann in einigen Fällen durchaus so sein“, meint Bürgermeister Nils Anhuth (parteilos). Die geringeren Einnahmen bei der Gewerbesteuer könnten so eine mögliche Erklärung haben.
Globale Kontakte fehlen
Anhuth führt den Bereich Maschinen- und Metallbau an. Dabei gebe es einige Betriebe in der Gemeinde Barßel, die global operieren. Kontakte oder Geschäftsverbindungen bis nach China seien durchaus üblich. „Solche Wege wurden durch Corona abgeschnitten“, meint Anhuth. Produktionszweige mussten eingeschränkt werden.
Und dann gibt es noch den Fremdenverkehrsbereich, der im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis in Barßel besonders stark ausgeprägt sei. Übernachtungen fehlten, die Auslastung des Tourismusbereiches ließ nach. Und vielen Dienstleistern und Gastronomen in der Gemeinde – die ohnehin von pandemie-bedingten Schließungen betroffen waren – fehle auch die Nachfrage der Urlaubenden in der Saison.
Darüber hinaus, so Anhuth, gelte es abzuwarten, ob die von sehr vielen Unternehmen genutzten Herabsetzungen der Gewerbesteuervorauszahlungen den tatsächlichen Ergebnissen entsprechen würden. Auch viele mittelständische Handwerksbetriebe hätten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Vorauszahlungen durch das Finanzamt auf Null setzen zu lassen. Die Rückmeldungen aus diesem Bereich legen aber nahe, so Anhuth weiter, dass in vielen Fällen sehr wohl ordentliche Ergebnisse im vergangenen Jahr erzielt wurden.
Barßel hatte 2019 noch fast sechs Millionen Euro Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Das waren pro Einwohner 453 Euro. Vorne lagen im Kreis Emstek (1169 Euro), Essen (1107 Euro) und Bösel (1079 Euro). Ganz hinten lag Molbergen (362 Euro).
Geld aus Schutzschild
Aus dem Schutzschild für die Kommunen bekam Barßel noch einmal 711 502 Euro. Die Gewerbesteuerumlage war auch geringer – statt 1,06 Millionen Euro mussten wegen des Soli-Wegfalls (auch wegen der geringeren Einnahmen) nur 416 000 Euro gezahlt werden. Aber diese beiden Verbesserungen deckten das Gewerbesteuer-Defizit nicht.
Die Corona-Pandemie hat die Gewerbesteuereinnahmen im ganzen Landkreis sinken lassen. Es folgen einige Beispiele aus anderen Kommunen im Landkreis Cloppenburg.
Bösels Absturz auf nicht einmal die Hälfte der Zahlen aus 2019 konnte mit einer hohen Nachzahlung Ende 2019 begründet werden. Lastrup hatte nur im zweiten Quartal 2020 einen Einbruch – Emstek dann besonders im dritten Quartal mit nur noch 298 000 Euro statt dem mehr als Zehnfachen zuvor. Beide wurden mit hohen Ausgleichszahlungen (1,46 und 2,25 Millionen Euro) aus dem Hilfsfonds des Landes entschädigt.
Die Gemeinde Molbergen steigerte 2020 sogar die Einnahmen. Pro Einwohner liegt 2020 Essen (mit 1026 Euro) vor Emstek und der stets gut situierten Gemeinde Lindern.
