Barßel/Harkebrügge - Eine echte politische Karriere hatte er noch gar nicht auf den Schirm. „Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ewald Schneider kam damals auf mich zu, ob ich mir nicht eine Kandidatur vorstellen könnte“, sagt Stefan Grotjann. Mit damals ist das Jahr 2016 gemeint. „Nach ein paar Wochen Bedenkzeit habe ich es dann gemacht“, sagt der Harkebrügger. Und im September 2016 klappte es dann auch – Grotjann wurde für die CDU in den Gemeinderat gewählt und ist seitdem jüngster Ratsherr in der Gemeinde Barßel.
Stimme für die Bauern
Neben der Chance, das Gemeindeleben nun aktiv mitgestalten zu können, hat ihn besonders eine Sache an einer Ratsmitgliedschaft gereizt. „Ich wollte der Landwirtschaft und auch jungen Menschen in der Gemeinde eine Stimme geben“, sagt der heute 30-Jährige. Er selbst kommt vom Bauernhof, ist auf dem elterlichen Betrieb in Harkebrügge großgeworden und heute Junior-Chef. Nach der dreijährigen Ausbildung zum Landwirt kam noch die zweijährige Meisterschule dazu – jetzt ist er Herr über 900 Rinder. „Ich bin Landwirt mit Leib und Seele“, sagt Grotjann, der auch im Landvolk Harkebrügge aktiv ist.
Viele Demonstrationen
Dass er sich für die Bauern in der Region einsetzt, hat er schon oft bewiesen. Bei fast allen Demonstrationen, sei es bei Lidl in Cloppenburg oder bei Aldi in Hesel, war er mit seinem Schlepper dabei. „Wir brauchten diese Aufmerksamkeit. Die Gesellschaft wusste teilweise gar nicht mehr, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und wie wir unter den immer niedrigeren Preisen der Lebensmitteleinzelhändler zu leiden haben“, sagt Grotjann.
Langsam scheint die Gesprächsbereitschaft bei den Lebensmittelunternehmen aber zu wachsen. „Jetzt muss nur die Politik uns auch noch erhören“, sagt der junge Ratsherr. Dafür war er in den vergangenen Tagen gleich zwei Mal im Zuge der Bauern-Demos in Berlin. Schlaf gab es in den vergangenen Tagen nur wenig, denn auch der Betrieb auf dem Hof muss ja weiterlaufen. „Das große Thema zurzeit ist das neue Insektenschutzgesetz. Es legt den Landwirten zu viele Steine in den Weg“, sagt Grotjann. Natürlich seien die Bauern für Insektenschutz, doch durch die neuen Regelungen sei es für einen Zuckerrübenbauern in Bayern als Beispiel nicht mehr möglich, seiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. „Hier muss sich noch viel bewegen“, sagt der Harkebrügger.
Neue Kandidatur
Um das Thema Landwirtschaft auch weiterhin in der Gemeinde Barßel im Blick zu behalten, hat sich Grotjann schon fest entschlossen, bei der Kommunalwahl in diesem Jahr wieder anzutreten. „Ich hoffe natürlich, dass sich mehr junge Leute finden, die sich für Politik in der Gemeinde begeistern können“, sagt Grotjann, der als 30-Jähriger nicht länger der jüngste Ratsherr bleiben will. „Jeder der Interesse hat oder Informationen haben will, kann sich gerne bei mir melden. Angst brauch man vor einer Kandidatur auf keinen Fall zu haben“, sagt er.
In seiner Fraktion habe er sich immer gehört und ernst genommen gefühlt. „In den sozialen Netzwerken müssen wir dafür noch deutlich präsenter werden“, so Grotjann.
