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Absatzprobleme bei Saterplant Baumschule Schlangen hat Insolvenz angemeldet

Jan Schlangen von der Baumschule Schlangen mit einer Lieferung von 120.000 Kirschlorbeer-Pflanzen, die eigentlich schon im Frühjahr hätten verkauft sein sollen. Nun gehen sie als Aktionsware in die Filialen eines Discounters.

Jan Schlangen von der Baumschule Schlangen mit einer Lieferung von 120.000 Kirschlorbeer-Pflanzen, die eigentlich schon im Frühjahr hätten verkauft sein sollen. Nun gehen sie als Aktionsware in die Filialen eines Discounters.

Eva Dahlmann-Aulike

Saterland/Cloppenburg - Die Baumschule Schlangen in Scharrel hat bereits Mitte August Insolvenz beantragt. Unter Aufsicht eines vorläufigen Sachverwalters darf die Firma, zu der auch das Vertriebsunternehmen Saterplant GmbH gehört, ihr Vermögen selbst verwalten. „Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung“ heißt das Verfahren.

Käufer sind vorsichtig

Hauptgrund für die Insolvenz ist der Einbruch der Nachfrage bei den Verbrauchern, berichtet Geschäftsführer Jan Schlangen: Weil die Menschen nicht wüssten, wie sie in der Energie-Krise durch den Winter kommen werden, habe der Konsum überall stark nachgelassen. In der gesamten Pflanzen- und Gartenbaubranche um circa 30 bis 50 Prozent, je nach Segment. „Im Mai 2021 haben die Leute in unserem Internetshop 500 bis 800 Pakete pro Wochenende bestellt, im Mai 2022 waren es fünf bis 25 Pakete“, nennt Schlangen ein Beispiel.

Auch die Groß- und Zwischenhändler stornieren ihre Bestellungen. So habe ein Zwischenhändler bisher immer nach Russland verkauft, dieses Geschäft sei aufgrund der Sanktionen weggefallen. Ein anderer Abnehmer habe den Online-Auftritt eines Discounters beliefert, doch auch hier sei die Kundennachfrage eingebrochen.

„Das Geld steht auf dem Acker“, sagt Schlangen angesichts der Situation in seinem Betrieb, die sich ähnlich wie im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 wiederholt. Damals blieben die verkaufsfertigen Pflanzen in der Bauschule stehen, weil alle Geschäfte geschlossen waren. Unverkäuflich landeten sie auf dem Kompost (unsere Redaktion berichtete). Anschließend investierten die Menschen in Haus und Garten, um es sich in der Pandemie trotzdem schön zu machen. Nun blieben die Pflanzen erneut stehen, weil kaum einer Geld in seinen Garten stecken wolle, ohne zu wissen, ob es noch für die Energiekosten reiche, sagt Jan Schlangen.

Neben dem Sachverwalter hat die Baumschule Schlangen für das Insolvenzverfahren und der angestrebten Sanierung auch die Kanzlei „Justask“ aus Erfurt an ihrer Seite, deren Mitarbeiter auf Restrukturierung und Sanierung von Firmen spezialisiert sind. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und das Unternehmen zu sanieren, so Jan Schlangen. Es gebe den sehr wertvollen Pflanzenbestand, für den die Baumschule schon Aufträge habe. Die Pflanzen sollten in den nächsten Monaten oder im Frühjahr ausgeliefert werden. Außerdem werde an neuen Vertriebswegen und Geschäftsfeldern sowie an neuen Produkten gearbeitet.

Hoffen auf Entspannung

Circa 50 Hektar Anbaufläche hat die Baumschule Schlangen, auf drei Hektar stehen Gewächshäuser. Dort werden unter anderem Koniferen in Topf, Ziergräser, Lebensbäume und Kirschlorbeer vom Stecklingen bis zur verkaufsfertigen Pflanze angebaut. Im Weihnachtssortiment hat sie Blaue Kegelzypressen, Zuckerhutfichten und europäische Stechpalmen (Ilex). Jan Schlangen hofft, dass sich die Krisen-Situation nach dem Winter entspannt. „Wir müssen wieder auf eine Normallinie kommen“, sagt der Firmenchef.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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