Friesoythe - Die Berufsbildenden Schulen Friesoythe können ihren Status als Europaschule untermauern: Als „größten Internationalisierungserfolg seit Gründung der Schule“ bezeichnet Lars Murra, Leiter der Beruflichen Gymnasien, die Förderzusage von Erasmus+ in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Damit kann Schülerinnen und Schülern aller Schulformen der BBS in den nächsten fünf Jahren ein Auslandspraktikum ermöglicht werden.
Erfolgreicher Antrag
„Seit 15 Jahren haben wir uns die Internationalisierung auf die Fahnen geschrieben“, sagt Murra. Nun war der Förderantrag für den Zeitraum 2022 bis 2027 bei der Nationalen Agentur in Bonn von Erfolg gekrönt. Darin machten die BBS ihre Ziele deutlich: „Wir möchten das europäische Identitätsbewusstsein der Schüler stärken, sie auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereiten, ihre berufliche, kulturelle und sprachliche Kompetenz fördern und sie bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen“, erklärt Murra. Das mache sich schon jetzt bemerkbar: „Viele kommen sehr viel offener und selbstbewusster wieder“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Claudia Kruhl.
Praktikumsstart im Juni
Für 2022 stehen der Schule 240.000 Euro zur Verfügung. 65 Schülerinnen und Schüler reisen ab dem 27. Juni für zwei bis vier Wochen in verschiedene europäische Länder. Einige kümmern sich selbst um ihren Aufenthalt in Frankreich, den Niederlanden oder Österreich. Die BBS vermitteln vor allem an Partner in Italien, Spanien und Malta, wobei zeitweise auch eine Lehrkraft zur Betreuung mitreist. Zudem hätten viele Betriebe einen Partner im Ausland, an den sie ihre Auszubildenden vermitteln können, sagt Murra. In insgesamt 34 europäischen Ländern fördere Erasmus+ ein Auslandspraktikum, darunter 26 EU-Staaten und acht assoziative Länder wie Liechtenstein oder die Türkei. Um Unterkünfte kümmern sich Schule und Schüler selbst, auf Malta gebe es beispielsweise Appartementhäuser, berichtet Murra. Nach Corona möchte die Schule wieder in Gastfamilien vermitteln, da die Integration ins internationale Umfeld dort leichter sei.
Erstmals können nun auch die Schüler der beruflichen Gymnasien Wirtschaft, Technik und Soziales verreisen, erklärt Murra. Aktuell machen vor allem Auszubildende kaufmännischer Berufe ein Auslandspraktikum, aber auch Azubis und Schüler aus dem technischen, sozialen und hauswirtschaftlichen Bereich können sich bewerben. „Angehende Heilerziehungspfleger schicken wir gerne nach Skandinavien, da dort der Pflegebereich gut vertreten ist“, sagt Murra.
Gut vorbereitet
Auf ihren Aufenthalt werden die Schüler gut vorbereitet, erklärt Claudia Kruhl. Sie erhalten einen Auffrischungskursus in Englisch und anderen Sprachen und werden darin geschult, wie sie sich an ihrem Praktikumsort verhalten sollten. „In den südlichen Ländern ist das vielleicht etwas anders als in Norwegen“, sagt Kruhl.
Ziel der BBS sei eine Datenbank für geeignete Praktikumsstellen im Ausland, erklärt Murra. Früher sei man gut nach Großbritannien vernetzt gewesen. Das habe der Brexit erschwert. Praktika auf der englischsprachigen Insel Malta seien derzeit sehr beliebt, da Irland ziemlich teuer sei.
Abhängig von der Entfernung des Praktikumsortes und den Lebenshaltungskosten fördert Erasmus+ die Reisekosten und verschiedene Tagessätze. Spanien liege etwa im Mittelfeld, günstiger seien die osteuropäischen Länder, erklärt Murra. Wo es möglich ist, sollen Auslandspraktikanten auf das Flugzeug verzichten und umweltschonende Verkehrsmittel nutzen, die von Erasmus+ speziell gefördert werden.
