Bösel/Cloppenburg - Die Experten des Friedrich-Löffler-Institut (FLI) haben in der vergangenen Woche nach den Ursachen für den Ausbruch der Geflügelpest im Landkreis Cloppenburg gesucht. Der Landkreis ist mit bisher 288.000 getöteten Tieren das Zentrum des Seuchengeschehens. Den letzten Fall gab es vor zwei Wochen. Seit einigen Tagen gibt es vermehrt Fälle im Nordosten der Republik.
Virus weitergetragen
Über den Inhalt des Bereisungsberichtes werde das FLI vorab nicht informieren, teilt Pressesprecherin Elke Reinking mit. Die zuständigen Behörden bekommen den Bericht schriftlich. Aber Reinking macht deutlich: Es gibt auch kritische Anmerkungen. Kreissprecher Frank Beumker deutete an, es gebe wohl keine letztendgültige Erkenntnisse zu den Ursachen.
Schlampereien bei den Biosicherheitsmaßnahmen waren – anders als bei dem Ausbruch 2016/17 – wohl nicht die Ursache der Geflügelpest. Aber das Friedrich-Löffler-Institut berichtet auch von der Verschleppung des Virus zwischen Geflügelhaltern. Im Kreis Cloppenburg gebe es ein „hohes Eintragsrisiko“. Das hätten die Genom-Typisierungen ergeben.
Auffallend war, dass von den 28 landesweit betroffenen Betrieben 23 Putenmastbetriebe waren. 199.000 Puten mussten gekeult werden. Die Offenställe, in denen Puten, aber auch Enten gehalten werden, gelten für den Viruseintrag als besonders gefährdet. Auch müssen Puten- und Entenbestände oft neu eingestreut werden, das birgt Risiken.
Wildvögel hätten den Erreger in die Betriebe eingeschleppt, berichtet Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Leiter des Veterinäramts in Cloppenburg. Das sei aber nicht die einzige Ursache. Auch ein Eintrag durch die Luft sei wahrscheinlich – dafür sprächen die offenen und oft in Windrichtung liegenden Ställe. Ein wissenschaftlicher Nachweis für diese Thesen fehle jedoch.
In der besonders stark betroffenen Gemeinde Garrel gibt es viele Zugvogelbewegungen. Und das Risiko eines Virusweitertrags von Stall zu Stall sei natürlich auch erhöht, weil es in der Gegend so viele Putenställe gebe. In diesem Zusammenhang hatte Dr. Paschertz schon vor einiger Zeit eine Ausdünnung der Putenbestände verlangt. Bei der Bereisung sei von den Experten des Friedrich-Löffler-Instituts aber auch die Verbesserung der Biosicherheitsmaßnahmen anerkannt worden.
Offene Fragen bleiben
„Offenställe können nicht hermetisch abgeriegelt werden“, sagt Dr. Peter Hiller, Geflügel-Experte der Landwirtschaftskammer. „Nur so ist zu erklären, dass das hochansteckende Virus von einem Stall zum anderen gelangen kann.“
Eine Frage bleibt ungeklärt: Wie kam es am 23. Januar dazu, dass ein Hähnchenmastbetrieb mit der Geflügelpest infiziert wurde? Dort seien die Kontakte mit Menschen und Maschinen deutlich geringer, da Einstreu und Futter anders eingebracht werden, berichtet Reinking vom Friedrich-Löffler-Institut. Die Experten hätten sich den Stall genau angesehen, aber keine Erklärung.
