Bösel - Es gibt nun zwei Versionen, wie die Erweiterung der Physiotherapie-Praxis Preuth auf die kommunale Grünfläche an der Pfarrer-Sommer-Straße gescheitert ist. Eine der Gemeinde Bösel und eine von Inhaber Markus Preuth selbst. Nachzulesen ist dessen komplette Stellungnahme auf der Internetseite der Physiotherapie-Praxis.
Verfahren eingestellt
Bürgermeister Hermann Block (CDU) berichtete am Mittwochabend in der Ratssitzung, ausschlaggebend sei für die Politik die Verkehrsbelastung gewesen, die eine Praxiserweiterung mit sich gebracht hätte. Ein „Nebenaspekt“ sei, dass Preuth zwölf nötige Parkplätze auf der anderen Straßenseite anlegen wollte. Das widerspricht den Vorgaben des – noch nicht beschlossenen – Dichtekonzepts. Keine Seite habe indes die großen Bäume auf der Fläche neben der Praxis fällen wollen, um Parkplätze zu schaffen, so Block.
In der Sitzung stellte der Gemeinderat das Bauleitverfahren ein. Erst anschließend wurde im nichtöffentlichen Teil Preuths sechsseitiges detailliertes Schreiben verlesen. Der Praxis-Inhaber sieht die Ursachen des Scheiterns an anderer Stelle: Für ihn war das Beharren auf das Dichtekonzept das Ende des Ausbauprojekts. Er habe alles versucht, um Baufällungen zu vermeiden. Er sei bereit gewesen, sein 770 Quadratmeter großes Wohnbaugrundstück mitten im Ortskern als Parkplatz zu opfern. Dieses hatte die Gemeinde eigentlich im Tausch für das kommunale Grundstück zur Praxiserweiterung haben wollen.
Derzeit ist Markus Preuth geschäftsführender Inhaber der Physiotherapie-Praxis Preuth. Er führt das Unternehmen seiner 2018 verstorbenen Frau Alexandra Preuth zusammen mit den fachlich ausgebildeten Mitarbeitern weiter.
Tochter Antonia Preuth ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Physiotherapeutin. Sie will die Praxis übernehmen.
Eine Erweiterung habe sich in Corona-Zeiten aufgedrängt, berichtet Markus Preuth. Die Praxis benötige vor allem einen größeren, klimatisierten und belüfteten Gruppenraum.
Keine schlüssige Begründung ist für Preuth, dass die Politiker glaubten, die Verkehrs- und Lärmbelastung für das Wohngebiet werde zu stark steigen, ohne dass sie dazu ein Gutachten vorliegen hatten. Preuth hätte ein solches Lärmgutachten im Rahmen der Baugenehmigung liefern müssen. Er ist sich sicher, dass dieses positiv für sein Vorhaben ausgefallen wäre.
Wahlkampf mit Bäumen
Markus Preuth hatte sich bisher aus der öffentlichen Diskussion rausgehalten. Auch als er von seinen Nachbarn hart angegangen wurde. Sie hatten unter anderem Anzeigen geschaltet und eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Eichen neben der Praxis organisiert. Bei der Kommunikation seiner Pläne habe er sich voll und ganz auf Bürgermeister Block verlassen. Erst als ein CDU-Gemeinderatskandidat das Thema in seiner Wahlwerbung aufgriff, war es für Preuth offensichtlich zu viel. Für den Leser dieser Werbung habe der Eindruck entstehen können, „dass die CDU-Mehrheitsfraktion das Bauleitverfahren eingestellt hat, um die Bäume zu schützen. Dem muss ich entschieden widersprechen!“, schreibt er.
Weil es immer wieder neue Rahmenbedingungen vom Landkreis Cloppenburg gab, die es zu erfüllen galt, lieferte Preuth sechs Entwürfe. Nie sei das Fällen der benachbarten Eichen nötig gewesen, versichert Preuth. Sein Fazit: „Das Verfahren ist nicht gut geführt worden. Das hätte alles ganz anders laufen können. Natur und Gesundheit hätten vereint werden können.“
