Bösel - Die Böseler Verwaltung hat einen neuen Mitarbeiter für die Bauleitplanung und den Breitbandausbau mit ungewöhnlichen Vorkenntnissen: Bisher hat Martin Schmidt-Roschow die Bauleitplanung in Pliening im Landkreis Ebersberg (Oberbayern) verantwortet.
Obwohl die 5690-Einwohner-Gemeinde keinen direkten Anschluss nach München hat, liegt sie jedoch noch voll im Einzugsbereich – auch preislich, wie der 54-Jährige berichtet. Platz zu Bauen gibt es daher wenig, Nachverdichtung ist dort fast die einzige Möglichkeit, überhaupt noch Wohnraum zu schaffen.
Aus Delmenhorst
Schmidt-Roschow ist gebürtig aus Delmenhorst und hat bei der Stadt Delmenhorst seine Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt gemacht. Als sich dort Ende der 1980er-Jahre keine Perspektive bot, sah er sich in Deutschland um und landete bei der Uni München. Es folgten weitere Stationen. Bei der Stadt Garching bei München habe er „Blut geleckt“ und Bauleitplanung gemacht, sagt Schmidt-Roschow. 2009 wurde er Bauamtsleiter in Pliening. „Wo, wenn nicht in der Bauleitplanung kann eine Gemeinde sich optisch verändern“, sagt Schmidt-Roschow. „Da hat man irrsinnig viel Gestaltungsraum. Ich plane halt gerne.“
Nach zehn Jahren überlegten Schmidt-Roschow und seine Frau Daniela Roschow, die bisher stellvertretende Bauamtsleiterin in Kirchseeon war: Bleiben, oder den Sprung wagen? Da die beiden Kinder noch klein sind, sei es jetzt die richtige Zeit gewesen. Daniela Roschow arbeitet nun bei der Gemeinde Edewecht.
Auf Anraten von Bürgermeister Hermann Block (CDU) hat sich Schmidt-Roschow in den vergangenen Wochen in Bösel umgeschaut. Er sehe eine klassische Entwicklung der Siedlungen, sagt er. Wie überall seien die Grundstücke über die Jahrzehnte kleiner geworden. Allerdings sei in Bösel noch der Traum vom freistehenden Eigenheim zu verwirklichen. Das sei im Münchner Umland nicht mehr möglich, wo der Quadratmeter Bauland regulär 1500 bis 1800 Euro kostet und an Ortsansässige subventioniert für 500 Euro abgegeben wird.
Etwas Nachverdichtung
„Der Grundansatz ist hier ein ganz anderer. Niedersachsen ist ein Flächenland. Der Knackpunkt hier sind Gerüche und Lärm“, sagt Schmidt-Roschow, der schon mitbekommen hat, dass „Nachverdichtung“ auch in Bösel nicht gerne gehört wird. Trotzdem könne er sich vorstellen, dass verträglich und mit den Bürgern abgestimmt, Einfamilienhäuser durch Mehrfamilienhäuser ersetzt würden. Denn auch in Bösel gebe es Nachfrage nach günstigem und seniorengerechtem Wohnraum.
