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Impf-Kampagne gegen Corona-Pandemie Hausärzte kritisieren: „Wir sind nicht gut eingebunden“

Bösel - Hausarzt Holger Meister aus Bösel ist „stinksauer“ auf die Bundesregierung. Es laufe im Management der Corona-Pandemie sehr viel falsch. Nicht nur, dass nicht rechtzeitig ausreichend Biontech-Impfstoff bestellt worden sei. „Ich kritisiere, dass die Hausärzte zu spät eingebunden wurden“, sagt Meister. „Es wurden Leute angeschrieben, die schon tot sind. Das ist unmöglich.“

Er habe schon im Herbst drei Listen mit seinen Patienten erstellt, die er nach Priorität sortiert habe. Es wäre leicht möglich gewesen, die Impfungen bei den Hausärzten durchführen zu lassen. Die Impfzentren seien reine Geldverschwendung.

In Praxis auftauen

Selbst die Tatsache, dass der Biontech-Impfstoff bei -70 Grad Celsius gelagert werden muss und aufgetaut nicht transportfähig ist, sei kein Problem. Wenn der Impfstoff am Montag geliefert würde, könnte er über Nacht im Kühlschrank einer Arztpraxis auftauen und sei ab Dienstagmorgen einsatzbereit. „Dann habe ich 120 Stunden Zeit ihn zu verbrauchen“, sagt Meister.

Impfstoffe

Wer ein Impfangebot gegen das Covid-19-Virus bekomme, sollte sich impfen lassen, empfehlen die Hausärzte Holger und Matti Meister. Das gelte nicht nur für ältere Menschen, für die der Impfstoff von Biontech zum Einsatz kommt.

Auch alle unter 65, bei denen aufgrund der Lieferengpässe vielleicht Astrazeneca verwendet wird, sollten die Gelegenheit wahrnehmen. Es seien bei Astrazeneca mehr Nebenwirkungen zu erwarten. Aber: „Die Krankheit ist schlimmer als die Nebenwirkungen“, mahnt Matti Meister. Und es sei unklar, wann der Biontech-Impfstoff für alle verfügbar sei.

Ein kleines Lob hat der Allgemeinmediziner dann doch: „Die mobilen Impfteams sind das einzig vernünftige“, sagt Meister. Dickes Lob gibt es dagegen für die Böseler: Die nutzten konsequent die Möglichkeit sich erst telefonisch zu melden und hielten sich an die Abstandsregeln, die auch gegen Grippe und Co. schützten. Noch nie in seinen 27 Jahren als Hausarzt habe er so wenige Infektionserkrankungen behandelt, wie derzeit.

Wettlauf gegen Mutation

Schon jetzt zeichnet sich für Meister und seinen Sohn Matti, Facharzt für Arbeitsmedizin, der in der Böseler Praxis die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin macht, dass es durch die neuen hochansteckenden Virus-Mutationen zu einem Wettlauf kommen wird. „Wenn wir es nicht schaffen, die Leute zu immunisieren, haben wir im Herbst die dritte Welle mit den Virus-Mutationen“, sagt Holger Meister.

Schon jetzt seien bundesweit 22 Prozent der Corona-Fälle auf die hochansteckende britische Mutation zurückzuführen. In Hannover seien es sogar 40 Prozent der Fälle. Und Matti Meister ergänzt: „Wenn man die Bevölkerung durchimpfen will, braucht man auch die Hausärzte, Betriebsärzte und Kinderärzte.“ Auch Kinder zu impfen, werde in den kommenden Monaten ein Thema werden.

Derweil seien die Gesundheitsämter weiterhin personell und technisch schlecht ausgestattet. Die Kontaktnachverfolgung sei dort kaum zu leisten. Und es fehlt Holger Meister, dass nicht über andere, zusätzliche Auswege aus der Pandemie diskutiert werde. So gebe es zum Beispiel Luftreinigungsanlagen, die mit UV-Licht arbeiten und so die angesaugte Luft keim- und virenfrei machen. Das könne eine Möglichkeit sein, um Schulen, öffentliche Verkehrsmittel oder Großraumbüro sicherer zu machen. Denn: Die Null-Covid-Strategie einiger Virologen, also die Zahl der Neuinfektionen auf null zu bringen, um so die Pandemie zu beenden, sei zwar richtig, funktioniere aber nur, wenn die ganze Welt mitmache.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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