Bösel/Landkreis - Von der Geflügelpest sind im Landkreis Cloppenburg 36 Betriebe mit 548 700 Tieren betroffen. „Das Problem ist die Massentierhaltung“, sagt Dr. Wulf Carius, Regionalbetreuer Wildeshauser Geest vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Bei Tieren, die so eng und unter unnatürlichen Bedingungen gehalten werden, muss man sich nicht wundern.“ Wenn die Tiere keinen Abstand halten, sei das Risiko für eine Ansteckung sehr groß.
In der Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tiergesundheit heißt es zu den Geflügelpest-Fällen im Landkreis Cloppenburg: „Die Eintragsquellen sind unbekannt, jedoch sind die Vollgenomsequenzen der untersuchten Viren aus den betroffenen Haltungen sehr ähnlich bis identisch, so dass von einer Verschleppung zwischen den Beständen ausgegangen werden muss.“ In Gebieten mit hoher Dichte an Geflügelhaltungen sei ein solches Eintragsrisiko hoch.
Hohe Tierdichte
Im Landkreis Cloppenburg ist die Geflügeldichte sehr hoch. In der Gemeinde Garrel sind es beispielsweise 14.000 Tiere pro Quadratkilometer, in der Stadt Friesoythe 18 900. „Eine Reduzierung der Tierdichte fordern wir schon sehr lange“, sagt Carius. Gleichzeitig bezweifelt er, dass weniger Tiere pro Stall zum Schutz vor der Geflügelpest beitragen würde. Wenn man Tiere im Stall halte, hätten alle Kontakt untereinander. Das gelte auch bei 50 Tieren. Zur Verhinderung der Ausbrüche sei es wichtig, die Dichte der Betriebe zu reduzieren und die Hygienemaßnahmen einzuhalten.
Schutzimpfung
Eine Schutzimpfung gegen die Geflügelpest ist in Deutschland grundsätzlich verboten, kann aber zur Tierseuchenbekämpfung angeordnet werden. Carius sieht eine prophylaktische Impfung kritisch. Es sei eine vom Menschen her gedachte Lösung. Zwar könne eine Impfung eine Ausbreitung der Geflügelpest eindämmen, aber: „Eine technische Lösung wie diese führt dazu, dass man diese Art der Haltung auch weiterhin wirtschaftlich betreiben kann.“ Das heißt, eine Impfung würde die Massentierhaltung verfestigen. Gleiches sehe man beispielsweise beim Einsatz von Antibiotika.
Die Tierhaltung müsse sich grundsätzlich verändern, sagt Carius. Aber solange Verbraucher das billige Fleisch nachfragen, werde das nicht passieren. Er kritisiert dabei auch die Discounter, die mit Billigangeboten locken. Den Konsumenten müsse klar sein: „Wenn man dieses Fleisch kauft, kauft man auch den Rest.“
Auf die Frage, warum während der grassierenden Geflügelpest die Massentierhaltung nicht stärker in Frage gestellt wird, sagt Carius: „Das liegt an der Lobbyarbeit der Fleischindustrie.“ Der BUND weise in seinem jährlichen kritischen Agrarbericht und dem „Fleischatlas“ immer wieder auf problematische Produktionsbedingungen hin, aber: „Wo die Fleischindustrie mit viel Geld sitzt, kann man kaum etwas verändern.“
