Bösel - Im Herbst ist wieder Impfzeit. Denn wenn viele Menschen in Innenräumen aufeinandertreffen, verbreiten sich Viren besonders gut. Der ausgesprochene Impfbefürworter, der Böseler Hausarzt Holger Meister, rät vor allem Menschen über 60 Jahren und allen chronisch Kranken sich gegen das Corona-Virus und gegen Influenza immunisieren zu lassen. Gerade bei Personen, deren Immunsystem beeinträchtigt sei, zum Beispiel Krebskranke oder auch Diabetiker, bestehe die Gefahr eines schlimmen Verlaufs der Infektionserkrankungen.
Schwere Verläufe
„Wer im Sommer Corona hatte, ist jetzt noch ideal geschützt“, erläutert Meister. Denn derzeit sei die Omikron-Variante im Umlauf, gegen die auch geimpft werde. Bei jungen, gesunden Menschen unter 60 Jahren werde empfohlen, sich sechs Monate nach der durchgemachten Infektion erneut impfen zu lassen. Weil das Immunsystem im Alter nachlasse, sollten Ältere und natürlich auch chronisch Kranke bereits nach drei Monaten nachschießen. Denn: „Wenn das Immunsystem nicht mehr reagiert, kann man einen netten Verlauf haben“, sagt Meister ironisch. Er selbst hatte im Frühjahr 2021 einen lebensbedrohlichen Verlauf der Corona-Infektion durchgemacht und leidet weiterhin unter den Langzeitfolgen.
Das müsse heutzutage nicht mehr sein, mahnt Meister: „Es gibt den Impfstoff. Der ist angepasst auf die Omikron-Variante BA 4.5, der ist hervorragend, der hat eine Wirkung von 90 bis 95 Prozent.“ Und selbst wenn sich neue Varianten entwickelten, biete dieser Impfstoff weiter Schutz. „Die Technik mit der Messenger-RNA ist genial.“ Durch das neue für das Corona-Virus zur Marktreife gebrachte Verfahren, das zuerst die Firma Biontech verwendet hat, könne der Corona-Impfstoff viel schneller angepasst werden als Impfstoffe, die auf der herkömmlichen Technik beruhen.
Aber auch die Influenza sollten ältere und kranke Menschen sowie alle, die viele Kontakte haben, nicht vergessen. „Wir halten bei uns in der Praxis immer so eine Woche Abstand“, sagt Meister. Dann könne nach der vierten Corona- auch die aktuelle Influenza-Impfung folgen. Meisters Praxis ist auch Sentinelpraxis für das Robert-Koch-Institut für Influenza und Atemwegserkrankungen. Diese sammeln ehrenamtlich Eckdaten, sodass die regionale Ausbreitung der Krankheiten im Blick gehalten werden kann.
Welle überwachen
Denn ob und wie die Grippe-Saison wird, ist noch unklar. Der Impfstoff wird aufgrund von weltweiten Beobachtungen und Hochrechnungen vorbereitet. Noch gebe es erst vereinzelte Grippe-Fälle, berichtet Meister. Erfahrungsgemäß beginne die Grippe-Saison im Süden Deutschlands und erreiche dann Mitte bis Ende Februar, manchmal erst Anfang März den Norden. Doch schwere Grippe-Wellen waren in früheren Jahren auch schon schneller unterwegs. Daher sei jetzt die richtige Zeit, sich zu schützen.
