Neue Böseler Ratsmitglieder mögen bisher noch gedacht haben, der gewählte Gemeinderat bestimme, mit welchen Themen sich die Verwaltung unter Leitung des Bürgermeisters beschäftigt. Doch spätestens seit der jüngsten Ratssitzung dürfte klar sein: Bürgermeister Hermann Block nimmt keine Arbeitsaufträge entgegen. Er – und er allein – setzt die Agenda.
Zwar behauptet er, die Verwaltung habe derzeit „keine Kapazitäten“, jedenfalls nicht vor der Sommerpause. Es gebe so viel zu tun bei den Kindergärten und der Schulentwicklung. Aber das kann beim besten Willen nur eine vorgeschobene Schutzbehauptung sein.
Abgesehen davon, dass die Not an Betreuungsplätzen in Bösel rathausgemacht ist, weil in den vergangenen Jahren zu viele Baugrundstücke auf einen Schlag verkauft wurden. Einen Experten für Straßenausbaugebühren einzuladen, kostet eine E-Mail. Der wird zurückmailen, ob er zur nächsten geplanten Ratssitzung am 4. Mai Zeit hat. Nein? Dann vielleicht am 22. Juni, oder am 11. Juli?
Und die Antwort auf die Frage, wer Jugendarbeit in Bösel betreiben muss, ist lediglich einen Anruf beim Landkreis Cloppenburg entfernt. Vielleicht haben die Fachleute dort ja auch schon ein paar hilfreiche Tipps, wie die Gemeinde zügig und mit sinnvollem Konzept zu einem Freizeitangebot für Jugendliche kommt? Und was die Inhalte der Jugendarbeit angeht: Auch Jugendtreffs können wie Kindertagesstätten von Trägern der Jugendhilfe betrieben werden. Sie können das Fachpersonal anstellen und anleiten. Diese Träger haben funktionierende Konzepte.
Niemand hat verlangt, dass innerhalb von Tagen beschlussfähige Verwaltungsvorlagen auf dem Tisch liegen. Die Politiker wollen lediglich, dass bestimmte Themen in Angriff genommen werden. Gerade was Angebote für Jugendliche angeht, scheint in den zwei Pandemie-Jahren Druck auf den Kessel gekommen zu sein. Darauf lassen die regelmäßigen Vandalismus-Vorfälle in Bösel schließen. Schade, dass hier der einmütige politische Wille nicht genutzt wird, um etwas für junge Leute zu tun.
Und zum Schluss: Völlig unklar bleibt, was mit den beiden Anträgen nun in den Fraktionen geschehen soll. Sollen sie dort – womöglich zum ersten Mal – gelesen werden? Der Verdacht der Opposition, ihre Anträge würden „versacken“, liegt nicht so fern.
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