Bühren/Schneiderkrug - Präzises Timing auf dem Acker: Das ist beim Spritzen von Pflanzenschutzmitteln für Landwirt Niklas Meyer aus Bühren nötig. Wir begleiten ihn und den Winterweizen, den er vor etwa drei Wochen eingesät hat, bis zur Ernte im kommenden August. Nun wurde der Acker ein letztes Mal bearbeitet, bevor er und das Getreide quasi in den Winterschlaf gehen.
So sieht’s auf dem Acker aus
Kurze, grüne Halme schauen an diesem Novembermorgen schon aus der dunklen Erde. Frank Pelk, der bei GS agri als Spezialberater Ackerbau arbeitet und Landwirte wie Meyer seit Jahren eng begleitet, bohrt seine Schaufel in die Erde. Zutage treten die gekeimten, roten Körner. Nach unten hin haben sie bereits Wurzeln gebildet. Nach oben wachsen die Halme, aus denen sich im Frühjahr der Weizen entwickelt – unterirdisch ist der Halm weiß, oberirdisch grün.
Aber zwischen den Halmen tauchen auch immer wieder andere grüne Flecken beziehungsweise Pflanzen auf. Einige Unkräuter haben es sich gemütlich gemacht, wie Frank Pelk bemerkt. Die Vogelmiere ist darunter, aber auch Kamille und andere Arten, die ein Eingreifen erfordern, damit das Getreide keinen Schaden nimmt. „Es gibt zwei Möglichkeiten, Pflanzenschutzmittel zu spritzen: entweder jetzt vor dem Winter oder im Frühjahr, wenn die Kräuter schon etwas größer sind“, sagt Pelk.
Zeitpunkt des spritzen
Gegen das Spritzen im Frühjahr sprechen aber laut Pelk vor allem zwei Gründe: Dafür muss der Winter vorbei sind – was weder absehbar noch planbar ist –, und das Feld muss befahrbar sein. Auch für das Spritzen vor dem Winter müssen einige Voraussetzungen gegeben sein, sagt Landwirt Meyer. Es darf nicht zu windig, die Temperatur nicht zu niedrig sein. Nieselregen wäre das höchste der Gefühle, und der Boden sollte noch etwas feucht sein.
Am wichtigsten ist jedoch das Stadium des Getreides und der Unkräuter. Denn das Pflanzenschutzmittel wird nur oberflächlich auf den Boden gebracht und tritt deswegen nur über bestimmte winzige Kontaktflächen mit dem Getreide und den Kräutern in die Pflanzen ein. Das Getreide muss deswegen schon so groß sein, dass die Kontaktfläche im Vergleich zur Pflanze klein ist und das Mittel gut abgebaut werden kann. Die Unkräuter müssen noch so klein sein, dass ihre Kontaktfläche groß ist im Vergleich zur restlichen Pflanze.
Die Anwendung
Das Pflanzenschutzmittel ist bei fachgerechter und richtiger Anwendung nicht umweltschädlich und für Menschen ungefährlich, betont Pelk. Es wirkt außerdem nicht gegen Insekten oder andere Tiere. In der Feldspritze, die hinter den Trecker von Niklas Meyer kommt, werden 299,6 Liter Wasser und 0,4 Liter des Pflanzenschutzmittels pro Hektar vermischt. Das bedeutet, dass pro Quadratmeter 3 cl – also etwas mehr als ein Schnapsglas – der angesetzten Brühe auf dem Acker landen. Weizen und Bodenbakterien verarbeiten das Mittel, sodass es nicht in Pflanzen und im Boden bleibt. „Durch das Spritzen vor dem Winter und das oberflächliche Aufbringen des Pflanzenschutzes nimmt die Pflanze am wenigsten Schaden“, zählt Pelk einen weiteren Vorteil des jetzt gewählten Zeitpunktes auf.
Die Feldspritze von Niklas Meyer ist 24 Meter breit und verfügt über 48 Düsen, aus denen das Wasser in etwa 50 Zentimetern Höhe auf den Boden verteilt wird. Mit seinem Tank schafft er auf einmal 14 Hektar, für die knapp 28 Hektar braucht er also zwei Ladungen. Etwa eineinhalb Stunden braucht der Landwirt zum Befahren des Ackers und zum erneuten Befüllen auf dem Hof.
So geht’s Weiter
So lange die Temperaturen tagsüber noch über fünf Grad liegen, wächst das Getreide auf dem Acker gemächlich weiter. Bei Temperaturen darunter verfällt das Getreide in den „Winterschlaf“, den der Weizen dringend braucht, um sich zu verzweigen. Man spricht von einem sogenannten Kältereiz, welchen alle Getreidearten brauchen, die jetzt im Herbst ausgesät werden. Erst im Frühjahr wächst es weiter, dann wird auch zu sehen sein, ob das Pflanzenschutzmittel gewirkt hat.
