Cappeln - Spektakulär war Marcus Brinkmann ins Amt gekommen. Der Rechtsanwalt aus Osnabrück hatte sich im September 2013 als damals 40-jähriger unabhängiger Bewerber in Cappeln bei der Bürgermeisterwahl gegen einen CDU- und einen SPD-Bewerber durchgesetzt. Jetzt, gut ein Jahr vor der nächsten Bürgermeisterwahl, steht die Entscheidung an, wie Brinkmann erneut kandidiert.
Die Wortmeldung des Landtagsabgeordneten Christoph Eilers, designierter CDU-Kreisvorsitzender und Ortsverbandschef der Partei in Cappeln, ist eindeutig: „Wir suchen schon seit einiger Zeit einen Kandidaten – und das ist nicht Marcus Brinkmann“. Der stellvertretende Bürgermeister Eilers schloss gleichzeitig eine eigene Kandidatur aus. Und er ist sich sicher: „Unser Kandidat hätte gute Chancen auf das Amt.“
Tritt Brinkmann für eine der Fraktionen beziehungsweise Parteien im Rat an? Wird er erneut Einzelbewerber? „Ich führe Gespräche mit allen“, sagt er. Einige Termine gab es, weitere sollen folgen. Dem Vernehmen nach steht in der nächsten Woche noch ein Gespräch mit dem FDP-Ratsmitglied an. „Ich wollte Bürgermeister aller Bürger sein und will das auch in Zukunft so halten“, meint Brinkmann. Ein Präjudiz für eine Partei gebe es nicht. Dabei ist Brinkmann seit 2001 Mitglied der CDU, die Mitgliedschaft hat er seit seiner Wahl vor sieben Jahren ruhen lassen.
Das Parteistatut der CDU lässt eine Kandidatur gegen einen CDU-Kandidaten nicht zu. Es wird als parteischädigendes Verhalten gewertet. Ein entsprechendes Ausschluss-Verfahren hat es gegen Marcus Brinkmann bisher nicht gegeben.
2013 hatte es eine besondere Konstellation in Cappeln gegeben. Reinhold Grote, der erste hauptamtliche Bürgermeister in Cappeln, stellte sein Amt vorzeitig zur Verfügung. Ein Jahr später verstarb er nach schwerer Krankheit. Christian Rüve, damals Erster Stadtrat in Löningen und 2010 in seiner Heimatgemeinde Lastrup bei der CDU-Kandidatenkür in Lastrup gegen Michael Kramer, den heutigen Bürgermeister, gescheitert, und Marcus Brinkmann bewarben sich um die Nachfolge und erst einmal um die Mehrheit bei der CDU. Rüve, heute Erster Samtgemeinderat in Werlte, gewann mit 68:33 Stimmen. Doch in Cappeln waren viele mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. 375 Unterstützungsunterschriften sammelte Brinkmann, der auch familiäre Wurzeln in Cappeln hat, und kandidierte als Einzelbewerber. Und gewann – 1886 Stimmen reichten zur Mehrheit. Rüve bekam 1613 Stimmen.
Im Cappelner Rat hat die CDU zehn der 18 Sitze; fünf stellt die UWG, die SPD-Fraktion hat zwei Mitglieder. Keinen Hehl macht Brinkmann daraus, dass er erneut kandidieren wird. Nach dem Niedersächsischen Kommunalwahlgesetz benötigen die Amtsinhaber keine Unterstützungsunterschriften. Das gilt auch für die Bewerber der Parteien. Einzelbewerber müssten 55 Unterschriften vorlegen. Wenn diese Vorschrift wie in anderen Bundesländern wegen der Corona-Pandemie nicht noch geändert wird.
