Cloppenburg - Pioniergeist umweht in diesem Schuljahr ganz besonders das Gelände und die Räume des Clemens-August-Gymnasiums an der Cloppenburger Bahnhofstraße. Und der Aufbruch in die Zeit der Digitalisierung, der Modernisierung und des angenehmen Lernklimas ist zu spüren und zu sehen. „Lichtblicke in dieser Zeit“ nennt es Landrat Johann Wimberg am Donnerstagmorgen beim Pressetermin. Gleich drei zukunftsweisende Vorhaben haben der Landkreis als Schulträger, die Schule, Eltern und Kinder und Jugendliche angeschoben oder bereits umgesetzt.
Tablet-Jahrgang
„Wir kommen an dem Thema nicht vorbei“, erklärt Schulleiterin Annette Ovelgönne-Jansen. Gemeint ist die Digitalisierung der Schule und insbesondere die Tablets im Klassenzimmer. Doch es hinkt auf Landesebene, Tablets sind noch nicht als Lehrmittel anerkannt. Und so fehlen niedersachsenweit die rechtlichen Voraussetzungen für die generelle Schaffung von Tabletklassen. „Wir hatten das Thema eigentlich schon auf Eis gelegt“, blickt die Schulleiterin zurück.
Doch dann kam im Landkreis Cloppenburg die Idee auf, das Thema selbst in die Hand zu nehmen. „Wir wollten den kreiseigenen Schulen auf jeden Fall etwas anbieten. Den Tablets sind der Weg in die Zukunft“, berichtet die zuständige Fachbereichsleiterin Petra Nienaber von Gesprächen innerhalb des Kreis-Schulamtes. Und so konnten die Schulen seit Januar 2022 einen Projektantrag einreichen, um eigene Tabletklassen einzurichten.
Sowohl das CAG, als auch das Laurentius-Siemer-Gymnasium (Saterland) und das Copernicus-Gymnasium (Löningen) haben diese Möglichkeit wahrgenommen. In Cloppenburg hat laut Ovelgönne-Jansen eine Mediengruppe getagt und die nötige Projektskizze angefertigt. Ergebnis war, dass der Jahrgang sieben mit den schuleigenen Tablets, die während Corona schon vom Landkreis gestellt wurden, ausgestattet werden konnte. Über den Förderverein wurden zusätzliche Stifte angeschafft, die zum Schreiben verwendet werden können. Die Schule hat zusätzlich die nötigen digitalen Bücher angeschafft.
Ein Jahr läuft die Testphase. Einige Lehrer seien skeptisch gewesen, sagt die Schulleiterin. Aber genau diese gewisse Portion Skepsis sei gut, um wirklich evaluieren zu können, ob die Tablet-Klassen eine Zukunft haben. „Das Tablet soll einen pädagogischen Mehrwert haben und keine coole Spielerei sein“, sagt die Schulleiterin. Geprüft wird auch, ob zusätzlich zu den digitalen Büchern noch Bücher aus Papier nötig sind – eben wenn die Schüler auf dem Tablet schreiben und Aufgaben lösen, zwischendurch aber noch Dinge im Buch nachschlagen müssen.
„Die ersten Rückmeldungen sind sehr gemischt, der Anfang ist natürlich mühsam“, sagt Ovelgönne-Jansen. Es sei aber ein großes Plus, das Modell testen zu können, ohne dass die Eltern zur Kasse gebeten würden. Das hat auch die Schul- und Kreiselternratsvorsitzende Michaela Paschen (Cappeln) aus Gesprächen erfahren. Zudem müssten im Jahrgang sieben keine Taschenrechner für Hunderte Euro angeschafft werden. Nachhaltig seien die Tablets im Hinblick auf abgenutzte und veraltete Bücher außerdem, so Paschen. Sie und Ovelgönne-Jansen hatten mit mehr Gegenwind von den Eltern gerechnet – der ist aber glücklicherweise ausgeblieben. Es bleibt abzuwarten, ob die Tablet-Klassen dank Änderungen auf Landesebene ein generelles Modell werden oder ob nach den hoffentlich guten Erfahrungen an den drei bisherigen Projekt-Schulen der Landkreis als Träger in der Finanzierung tätig werden muss.
Selbstlernzentrum
Finanziell tätig geworden ist der Landkreis schon bei einem zweiten Projekt am CAG: dem Selbstlernzentrum in der Bibliothek. Für knapp 210.000 Euro wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude saniert. Aus ein paar Arbeiten – neue Tapete, neuer Boden, neue Einrichtung – wurde schnell ein größeres Projekt, blickt Wimberg zurück. Denn für das Streichen der Fenster musste sowieso ein Gerüst her – also wurde die Bibliothek in Gänze modernisiert.
So wurden auch die dunkelbraunen Holzelemente im Inneren überarbeitet und sind nun grau angestrichen. Neue Lampen sorgen für helle Räume, in denen sich an Tischen, Computern und in einem Smart-Board-Raum an diesem Donnerstagmorgen überall Schülerinnen und Schüler tummeln. „Vor allem in den Freistunden gab es oft eine Suche nach passenden Räumen – für Präsentationen, Hausaufgaben oder zum Plaudern“, blickt die Schulleiterin zurück.
Möglichkeiten zum Lernen, aber auch zum Lesen sind im Selbstlernzentrum genug vorhanden. Und durch eine Freiwilligendienstlerin ist die Tür während der Schulzeit immer geöffnet.
