Cloppenburg - Mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Wolf, um der Hysterie keinen Raum zu geben: Dazu rief der Wolfsberater Hermann Wreesmann bei der „Männersache“ des Bildungswerks auf. Er stellte einen Lösungsansatz zur Diskussion, nämlich die „Zonierung der Wölfe“. Das bedeute, den „Problemwolf“ in „Ungunstlagen“ (wenig Wald, wenig Wild, viele Menschen, große Zersiedlung, viele Nutztiere) im Notfall zu entnehmen. Im Gegensatz dazu gäbe es die „Gunstlage“ (viel Wald, viel Wild, wenig Menschen, geringe Zersiedelung, wenig Nutztiere), die zu einer Tolerierung führen könne.
„Eine Aufnahme ins Jagdrecht ist keine Lösung“, meint er. „Denn das bedeutet noch nicht, dass der Abschuss zulässig ist“, machte Wreesmann, der auch Jäger ist, deutlich. Sein Mitgefühl galt den betroffenen Tierzüchtern, und er plädierte für eine Entnahme der „Problemwölfe“. „Wer gesicherte Schafherden, Rinder oder Pferde angreift oder sich habituiert verhält, wird entnommen“, stellte er klar.
Wreesmann stellte sein profundes Wissen über Wölfe unter Beweis. Er veranschaulichte die Wanderungen der Tiere, die häufig den Flussläufen entlangführten, in Niedersachsen also von Südost nach Nordwest. „50 Kilometer in der Nacht sind keine Seltenheit“, sagte der Wolfsberater.
Das Jagdrevier umfasse eine Größe von 20 bis 30 Hektar, Hauptnahrungsquelle seien zu 47,9 Prozent Rehe, auf Nutztiere entfielen 0,3 Prozent. 26 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare zähle man zurzeit in Niedersachsen. Im Landkreis Cloppenburg könne man sie auf das Gebiet Werlte bis zur Thülsfelder Talsperre und auf das Gebiert Herzlake/Löningen lokalisieren.
„Die kommen sich aber nicht in die Quere“, sagte Wreesmann. Bis zu zehn Kilogramm Beute könne der Wolf auf einmal verschlingen. „Die würgt er teilweise wieder aus, um damit die Welpen zu füttern“ erklärte Arnold Aumüller, ebenfalls Wolfsberater. Die Welpensterblichkeit (etwa zehn bis zwölf pro Wurf) sei hoch, nachgewiesen seien 2019/2020 75 Wolfswelpen in Niedersachsen. Ein sicherer Schutz, der subventioniert wird, sei ein mindestens 1,20 Meter hoher Zaun und ein Untergrabschutz mit ordentlich Strom drauf, „damit er gleich einen Schlag auf die Nase kriegt“, sagte Wreesmann wörtlich.
Bei nicht ausreichendem Schutz gebe es keine sogenannte „Billigkeitsleistungen“. „Der Wolf ist eine heimische Tierart und ist gekommen, um zu bleiben“, fassten die beiden Wolfsberater zusammen. „Die Gefahr für Wildbestände und Menschen ist gering, den Wolf muss man wild halten, allerdings gibt es Probleme für Nutztierhalter“, ergänzten sie.
