Cloppenburg - Man muss nicht schon mal nach Alpe d’Huez hochgefahren sein oder den Col du Tourmalet bezwungen haben, um hier mitmachen zu dürfen. Auch muskulöse Oberschenkel wie die eines Erik Zabel zu dessen besten Zeiten sind keine Voraussetzung: Das Projekt „Nasen im Wind – Rikschatouren für Senioren“, das Gregor Möller-Reemts angeschoben hat, braucht noch ehrenamtliche Rikschafahrer. Und die müssen im Grunde nur gut Fahrrad fahren können und auch Lust auf Gespräche mit den Senioren haben. Nach einer kleinen Einweisung kann’s losgehen, dank der in die Rikschas integrierten Elektromotoren ohne Schweißperlen auf der Stirn.
Zahlreiche Unterstützer
Leiter Möller-Reemts hat das Projekt am Freitag vor dem Rathaus vor zahlreichen Unterstützern der Initiative vorgestellt. Ein Bericht in einer Fernsehsendung hatte ihn auf die Idee gebracht und als Fahrradfahrer, der fünfmal die Woche von Cloppenburg zu seinem Arbeitsplatz nach Friesoythe fährt, begeistert. Der Cloppenburger, der sich schon in der „Hilfe für Tschernobylkinder“ engagiert hatte, möchte den Senioren mit den kostenlosen Touren in und um Cloppenburg etwas Gutes tun. Vor allem an mobilitätseingeschränkte Senioren richtet sich das Angebot.
Senioren Zeit schenken
Es gehe darum, Senioren Zeit zu schenken, ihnen eine intensive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, alle Sinne anzusprechen, gemeinsame Erlebnisse zu teilen, altbekannte wieder und neue Orte zu entdecken, den Bewegungsradius der Senioren zu erweitern, Abwechslung in den Alltag zu bringen und Cloppenburg als Fahrradstadt zu bereichern, macht Möller-Reemts deutlich.
In Kooperation mit den Senioreneinrichtungen in der Stadt Cloppenburg und dem Hospiz „Wanderlicht“ sollen Passagiere gefunden werden, die an einer solchen Fahrt Spaß haben. In den Rikschas ist Platz für zwei Erwachsene. Wer Interesse an einer Fahrt hat – als Fahrer oder Passagier – kann sich bei der Ehrenamtsagentur per E-Mail unter info@ehrenamtsagentur.de melden. Allerdings ist diese bis 18. August wegen Urlaubs geschlossen.
Das Interesse an dem Projekt ist auf jeden Fall groß, berichtete Möller-Reemts: „Die Leute springen total darauf an, viele haben mir sofort unter die Arme gegriffen.“ So war man zum Beispiel bei der Bürgerstiftung gleich Feuer und Flamme. Sie ist nun Träger des Projektes, kann Spendenbescheinigungen ausstellen und für den Versicherungsschutz von Fahrern, Passagieren und Rikschas sorgen.
Zurzeit gibt es für das Projekt allerdings erst eines der etwa 8000 Euro teuren Fahrzeuge (Ersatz-Akku, Kettenschloss und Überführung inklusive). Es wurde von den Lions gespendet und am Freitag gleich mal von Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese Probe gefahren. Zunächst stieg Volker Raker von der LzO als Passagier zu, dann nutzten drei junge Gäste einer Hochzeit vor dem Rathaus Rathaus ihre Chance, einmal vom Stadtoberhaupt kutschiert zu werden. Zwei weitere Rikschas sollen im September und Oktober geliefert werden. Spätestens dann kann’s richtig losgehen.
