Cloppenburg - Das Inselviertel im Cloppenburger Norden verändert sich seit einigen Jahren. „Immer mehr Häuser aus den 1960er und 1970er Jahren werden abgerissen, ihre Gärten, Oasen für Flora und Fauna, weichen gepflasterten Flächen und Parkplätzen“, kritisiert die Interessengemeinschaft (IG) Inselviertel. Nicht selten blieben nur wenige Quadratmeter Grünfläche. Für Investoren seien diese Grundstücke beliebte Anlageobjekte, die es maximal auszureizen gelte. Das treibe die Preise in Höhen, die sich keine Familie mehr leisten könne. „Dort, wo vorher Einfamilienhäuser gestanden haben, finden sich jetzt Wohnblöcke mit fünf Wohneinheiten. Wenn es geht, werden gleich zwei Blöcke auf ein Grundstück gesetzt. Die Bewohner des Inselviertels wollen dieser Entwicklung nicht mehr tatenlos zusehen. Sie protestieren. Und sie werden aktiv“, macht die Interessengemeinschaft klar.
„Wir sind nicht gegen eine maßvolle Verdichtung“, sagen Prof. Bernhard Wesenick, Olaf Clausen und Dr. Ludger Heuer, die drei Initiatoren der Interessengemeinschaft. Die Teilung großer Grundstücke für den Bau eines zweiten Hauses oder die Errichtung von Doppelhäusern sei für sie in Ordnung, sagen sie. „Aber wir wehren uns dagegen, wie die Stadt es zulässt, dass dieses Viertel seinen Charakter einer Einfamilienhaussiedlung zugunsten großer Wohnblöcke aufgeben muss.“
Alte Bauverordnung
Die alte Bauverordnung von 1973 entspreche längst nicht mehr heutigen Gegebenheiten, sagen sie. Zudem habe die Stadtverwaltung in den letzten Jahrzehnten bei der Missachtung von Bauvorschriften regelmäßig weggeschaut bzw. Bauanträge im Interesse der Bauherren maximal ausgelegt, behauptet die IG. Das Ergebnis lasse sich vielerorts sehen.
„Erlaubt es der Bebauungsplan in den alten und engen Straßen eigentlich nur, 40 Prozent der Grundstücksfläche zu bebauen, werden mit Nebengebäuden wie Garagen und Carports, Stellplätzen und gepflasterten Zufahrten tatsächlich oft über 90 Prozent der Fläche versiegelt“, klagt die IG. „Diese Wohnraumverdichtung und extreme Bodenversiegelung zerstören das nachbarschaftliche Zusammenleben, erhöhen den Verkehr und Parkdruck und vernichten dauerhaft Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleintiere. Gleichzeitig erhöht sich damit die Gefahr von Kellerüberflutungen bei Starkregen und die Aufheizung bei hochsommerlichen Temperaturen,“ so die drei Initiatoren.
Politik sensibilisieren
Um die Politik zu sensibilisieren, hatte die IG eine Begehung durch das Viertel organisiert und bei der Sitzung des Planungsausschusses in der Stadthalle ihre Bedenken vorgetragen. Björn Drebbermüller, Leiter des städtischen Bauamtes, bot ihnen anschließend ein Gespräch in kleinerer Runde an. Es soll im Juli stattfinden.
Alle 14 Tage trifft sich die Interessengemeinschaft Inselviertel zum persönlichen Austausch. Das nächste Treffen findet am 9. Juli ab 17 Uhr bei Olaf Clausen, Norderneystr. 27, statt. Alle Interessierten sind dazu eingeladen.
