Cloppenburg - Erich Behlau hat bittere Armut erlebt, aber seine Enkel verbinden mit ihm einen süßen Geschmack. „Es sind Menschen, die immer Schokolade im Haus haben, die aus dem Wenigsten das Größte machen können“, charakterisiert Enkelin Karin Rolwers ihre Großeltern. Aber nicht nur die Enkel schätzen die Großherzigkeit und Hilfsbereitschaft Erich Behlaus. Unzähligen Menschen hat der 89-Jährige als Vorsitzender des Ermländischen Landvolks geholfen. Dafür wurde er am Freitagvormittag im Kreishaus mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg (CDU) überreichte dem Vater von vier Kindern im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Auszeichnung.
Aus eigener Erfahrung
Dass er selbst geholfen hat, wo er konnte, verbindet Erich Behlau mit seinen eigenen Erfahrungen der Not in Kriegs- und Nachkriegszeit. „Wer nicht mit Tränen auf ein Stück Brot gewartet hat und nicht eine bittere Not erlebte, der kann auch die Not des Nächsten nicht verstehen.“ Und die oder der Nächste sind für ihn eben nicht nur Familienmitglieder und Nachbarn. „Der Nächste ist nicht nur der, den ich mag, sondern jeder Mensch, ganz gleich welcher Nation, welcher Partei oder welcher Hautfarbe“, sagt der Rentner, der früher für die Oldenburgische Landesbank tätig war.
Mit dieser Einstellung, aber auch mit Fleiß und einem eisernen Willen engagierte sich Behlau im Landkreis Cloppenburg und weit darüber hinaus dafür, die ermländische Kultur und die Heimatkunde an die jungen Generationen weiterzugeben. Er unterstützt die deutsche Minderheit im heute zu Polen gehörenden Ermland und setzt sich für die deutsch-polnische Freundschaft ein.
Außerdem engagiert sich Behlau für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Tschechien, Polen und Deutschland als Grundlage einer positiven europäischen Zukunft. „Dieses große Engagement, von dem eine Vielzahl von Menschen bisher profitiert haben und von dem noch Generationen in Zukunft profitieren werden, soll nun mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden“, sagte Landrat Wimberg.
Suche nach den Wurzeln
Der Landrat bemühte den amerikanischen Schriftsteller Alex Haley, um die Bedeutung der Arbeit Behlaus für den Einzelnen zu verdeutlichen: „Wir alle wollen wissen, wer wir sind und woher wir kommen. Ganz gleich, was wir im Leben erreichen, ohne diese Klarheit bleibt eine Leere in uns, ein Gefühl der Wurzellosigkeit.“
Für den Erhalt dieser Wurzeln habe Behlau gekämpft. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, neue Wurzeln zu schlagen. So sehr Behlau auch die „alte“ Heimat am Herzen liegt, so sehr schätzt er Cloppenburg. Gerne erzählt er, wie er hier mit offenen Armen empfangen wurde. „Danke dieser Stadt, hier fühlen wir uns wohl, hier haben wir unser Zuhause.“ Ein Zuhause mit Menschen, die sich gegenseitig Geborgenheit schenken – und natürlich Schokolade.
