Cloppenburg - Niedersachsens Wälder sind schlimmer von Dürre, Stürmen und Schädlingen getroffen als bislang angenommen. So hieß es am Donnerstag auch in unserer Zeitung. Eine Einschätzung, die Hermann Boyer, Revierförster der Niedersächsischen Landesforsten, für sein Gebiet (siehe Kasten) nicht teilt. Um sein kleines, weißes Försterhäuschen mit den grünen Fenstern am Garreler Weg in Cloppenburg ragen die Bäume hoch, es duftet nach Wald, jeder Spaziergänger der Bührener Tannen kann ihn und seine Bewohner hören – er ist lebendig und nicht tot oder von Schädlingen befallen, wie Bilder aus dem Harz zeigen.
Genug Regen
„Alle Menschen denken, wir vertrocknen hier. Aber gerade im Juni und Juli hatten wir gute Niederschläge“, sagt der 62-Jährige, der schon von Berufswegen das Wetter gut im Blick hat. Generell gibt es in seinem Revier, das insgesamt 2150 Hektar (das sind rund 3011 Fußballfelder) umfasst, gute Bedingungen für die Bäume. Der Boden ist häufig sand- oder lehmhaltig – und besonderes Letzterer staut lange Wasser.
Zweites Problem vieler Förster ist der gefürchtete Borkenkäfer, der besonders Fichten anfällt und sich unter der Borke oder im Holz ansiedelt und somit die Versorgung des Baumes stört oder ganz unterbricht. Aber auch hier gibt Boyer Entwarnung. Die Fichte steht nur auf neun Prozent seiner Flächen und ist gut über das Revier verteilt. Im Harz beispielsweise steht die Fichte auf zusammenhängenden Flächen – weil sie schnell und gut am Berg wächst. Wenn sich auf so einer Fläche der Käfer ausbreitet, entstehen eben die Horror-Bilder, die es aktuell aus dem Harz zu sehen gibt.
Aber auch Boyer hat schon einige Fichten aufgrund des Käfers fällen müssen. Da deutschland- und europaweit viele Fichten geschlagen und dann verkauft werden, seien die Preise für Fichtenholz aktuell nicht besonders hoch, sagt Boyer. Eine Aufgabe der Landesforsten ist auch, mit dem Holz Geld zu verdienen. Nur ein kleiner Teil des Holzes wird für Möbel gebraucht, erklärt der Förster. Der größere Teil sei für das Baugewerbe oder als Verpackungsmaterial gedacht.
Fallen für Käfer
Wenn der Borkenkäfer im Holz der Fichten sitzt, werden sie gefällt und im Wald gelagert – bis die Firmen das Holz holen, was schonmal zwei Jahre dauern kann. „Hier im Wald lagert es für die Firmen ja kostenlos“, sagt Boyer. Damit sich die Käfer dann nicht weiter ausbreitet, werden Fallen aufgestellt. Das sind kleine Pyramiden, die mit einem Netz bespannt sind. Darauf befindet sich ein Nervengift für die Käfer, angelockt werden sie durch einen Geruch aus einem Beutel, der in der Pyramide hängt.
Wenn die Fläche frei ist, wird sie vom Förster wieder aufgeforstet. Manchmal finden Baumsamen ihren Weg selbst auf die Fläche. So auch in einem Waldstück einige hundert Meter hinter Boyers Haus. Hier wächst neuer Wald nach, nur einige Birken hat Boyer hier anpflanzen lassen. „Wir wollen die Vielfalt und möglichst viele Arten. Das finden auch der Waldbesucher und das Auge schön“, weiß der 62-Jährige.
Der Mix macht es
Douglasien, Eichen, Buchen, Kiefern – der Mix sei wichtig für den Wald und für den Naturschutz. Fast 60 Hektar Eichen wird der Förster in den kommenden Jahren noch aufforsten. Das ist ein Ergebnis aus einer Begutachtung, die bei den Landesforsten alle zehn Jahre durchgeführt wird. „Wir besprechen dabei jede Fläche. Eine Frage ist, wie wir mit den Bereichen umgehen, wenn sie verjüngt werden müssen.“ Sowieso sei das Programm „langfristige ökologische Waldentwicklung“ (kurz: Löwe) schon lange auf der Agenda der Landesforsten.
Am Computer kann Boyer dank detaillierter Karten genau sehen, welche Beschaffenheiten er in welchem Teil vorfindet und welche Baumarten sich in den kommenden Jahren dort gut entwickeln könnten. „Dabei ist auch eine Klimaerwärmung um zwei Grad eingerechnet. Das Management des Waldes ist extrem gut durchdacht“, findet der Förster. Und so ist auch in Zukunft gewiss, dass die Landesforsten ihre Waldentwicklung gut voraussehen – ohne schlimme Überraschungen.
