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NWZonline.de Region Cloppenburg

Älteste Cloppenburgerin feiert Geburtstag

11.06.2018

Cloppenburg Wenn Ruth Verhülsdonk auf ihr Leben zurückblickt, gehören dabei neben einer schönen Kindheit, vielen Reisen und einer Ehe auch zwei Weltkriege, die Vertreibung aus der Heimatstadt und 102 Jahre dazu. Die älteste Cloppenburgerin wurde am 11. Juni 1916 in Breslau geboren – als Tochter einer Kaufmannsfamilie und als jüngstes von sechs Kindern. Auf ihren Ehrentag will sie heute mit Freunden und Verwandten bei einem Glas Sekt – alkoholfrei natürlich, sagt die Jubilarin und lacht – anstoßen.

Einige Großneffen haben sich angekündigt. Kinder hat Ruth Verhülsdonk (geborene Walenski) keine. Ob sie so alt werden wollte? „Nein, nein, das war nie mein Ziel. Mein Bruder ist 95 Jahre alt geworden. Da habe ich schon gedacht: ,Meine Güte’“, lacht die Seniorin. Seit August 2009 lebt sie im St.-Pius-Stift. „Eigentlich dachte ich, ich habe hier nur noch ein paar Wochen. Mir ging es damals sehr schlecht, ich bin in meiner alten Wohnung an der Wilke-Steding-Straße dauernd gefallen. Aber irgendwie bin ich ruhiger geworden“, schmunzelt die Cloppenburgerin.

Ihr Geheimrezept für 102 Lebensjahre? Viel Sport. Auch heute macht die Seniorin jeden Tag ihre Morgengymnastik: „Ich muss ja morgens alles bewegen.“

In Breslau besuchte sie acht Jahre lang die Volksschule, 1931 begann sie ihre dreijährige Kaufmanns-Lehre. „Ich erinnere mich gerne an meine schöne Kindheit. Ich habe immer sehr viel Sport gemacht, und wir waren häufig wandern, beispielsweise im Riesengebirge und in Karlsbad (Tschechien, Anm. d. Red.).“

Am 26. Januar 1945 verließ sie ihre Geburtsstadt. „Innerhalb von fünf Stunden mussten wir verschwinden. In der ganzen Hektik habe ich das wichtigste vergessen – meine Papiere“, erinnert sich das Geburtstagskind. Breslau, die Hauptstadt Schlesiens, war von Bomben verschont geblieben, erinnert sich Verhülsdonk. Die Stadt war im Herbst 1944 von Hitler zur Festung erklärt worden, wurde im Februar 1945 von der Roten Armee eingenommen. Auf Anordnung des NS-Gauleiters Karl Hanke vom 20./21. Januar hatte der Großteil der Breslauer im strengen Winter überstürzt die Stadt verlassen müssen. „Wir sind bei minus 20 Grad, viel Schnee und strahlend blauem Himmel losgezogen.“

Mit einem Auto ging es zunächst aus der Stadt raus, anschließend warteten die Eltern mit ihrer jüngsten Tochter drei Tage und drei Nächte auf einen Zug in Richtung Berlin. Dort lebte die Schwester der Mutter. Die Geschwister waren zu dem Zeitpunkt bereits in ganz Ostdeutschland verteilt und blieben auch dort. Vom ausgebombten Berlin ging es nach etwa fünf Tagen weiter nach Rotenburg an der Wümme. Dort lebte Verhülsdonk fünf Jahre lang.

Sie fand einen Job als Buchhalterin und war auch als „Mädchen für alles“ bei einem Engländer angestellt. „Wir mussten arbeiten, sonst hätte es keine Lebensmittelmarken gegeben“, erinnert sich das Geburtstagskind. Die Stadt sei nachts ohne Licht in den Fenstern gewesen, es gab keine Tanzveranstaltungen – nach dem Krieg war es nicht einfach. Weil die junge Kauffrau keine Arbeit fand, zog sie zu einer Freundin in die Schweiz. „Die Arbeit in Davos und Zürich hat Spaß gemacht. Zehn Stunden war ich auf den Beinen, habe gut verdient bei freier Kost und Logis.“

Zurück in Deutschland verschlug es sie nach Essen an der Ruhr, wo sie 1948 ihren Mann Alfons kennen lernte. Er war Geschäftsführer einer Reinigungsfirma, in der sie auch arbeitete. Am 6. Dezember 1952 läuteten die Hochzeitsglocken. Erst fünf Jahre später war es dem jungen Paar aufgrund der Kriegsfolgen – Essen war von Bomben während des Zweiten Weltkrieges stark getroffen worden – möglich, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Alfons war kriegsversehrt, wurde früh verrentet.

Im Mai 1974 zog das Ehepaar nach Cloppenburg. Alfons sollte aus gesundheitlichen Gründen in einer Stadt mit sauberer Luft leben, die damals 58-Jährige hatte viele Freunde hier, so wurde Cloppenburg als neue Heimat auserwählt. Ihr Mann Alfons starb 1987.

Geselligkeit ist der Jubilarin wichtig: Sie spielt Rommé und Karten mit den anderen Bewohnern des Pius-Stifts, war Mitglied in zwei Kegelvereinen und war über viele Jahre beim TV Cloppenburg aktiv.

Auch ehrenamtlich hat sich die Jubilarin engagiert. „Ich habe vielen kranken Menschen geholfen, als ich beim Roten Kreuz gearbeitet habe. Hier in Cloppenburg habe ich auch jemanden bis in den Tod gepflegt, weil seine Tochter berufstätig war und in Hamburg lebte. Zu ihr habe ich auch immer noch Kontakt.“

„Ich bin froh, dass ich vieles noch alleine kann“, sagt die 102-Jährige. Bis 2004 sei sie noch Auto gefahren, habe aber freiwillig die Autoschlüssel an den Nagel gehängt. Den Kopf hält die Seniorin mit Lesen fit. Zum 100. Geburtstag hatte Verhülsdonk ein Schreiben von Landrat Johann Wimberg und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck bekommen. Glückwünsche aller Art wird sie auch an diesem Montag erhalten, denen sich die NWZ gerne anschließt.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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