Cloppenburg - Mit bis zu 300 000 Besuchern jährlich ist das Museumsdorf in Cloppenburg das besucherstärkste Museum Niedersachsens. Ein Publikumsmagnet, der dazu beiträgt, nicht nur das kulturelle Erbe des Oldenburger Münsterlandes zu erhalten, sondern der auch für das ganze Land einzigartig ist. Doch der Erhalt der mehr als 60 historischen Gebäude des Museums ist zu einer finanziellen Mammutaufgabe geworden. Was an Geld vorhanden ist, muss für die dringlichsten Reparaturen genutzt werden, an umfassende Sanierungen oder gar einen Ausbau ist aktuell nicht zu denken.
Basisaufgabe Erhalt
Aus diesem Grund hat Landrat Johann Wimberg (CDU) den Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU), zu einem Rundgang ins Museumsdorf eingeladen. Vor Ort erläuterte die Direktorin des Museumsdorfes, Dr. Julia Schulte to Bühne, die finanziellen Probleme und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Zukunft des Museumsdorfes. „Wir sind aktuell auf die Basisaufgabe, den Erhalt der Gebäude, zurückgeworfen. Ich möchte hier mit meinem Team nicht nur die bestehenden Gebäude in Ordnung bringen, sondern das Museumsdorf thematisch auch in die Nachkriegszeit führen. Substanzerhalt ist für das Niedersächsische Freilichtmuseum einfach zu wenig“, betonte sie. Je länger die Sanierungen aufgeschoben werden, desto größer werde der Schaden, erklärte sie.
„Es ist den Besuchern schwer zu vermitteln, warum hier eine blaue Plane das Dach abdeckt und dort ein Bauzaun den Zugang versperrt.“ Dabei bestehen bereits Pläne für eine Erweiterung, die die Besucher in die Nachkriegszeit führen soll, bestehend aus neun Gebäuden, einschließlich der Discothek Sonnenstein, wie auch einer Tankstelle oder eines Gemischtwarenladens.
Rund sechs Millionen Euro werden für Infrastrukturmaßnahmen in den kommenden drei Jahren benötigt, davon alleine 850 000 Euro für Dachsanierungen oder 350 000 Euro für Schädlingsbekämpfung. Darüber hinaus sind fünf Millionen Euro für den Neubau eines Museumsdepots nötig. Keine der derzeitigen Depotflächen erfülle die Mindeststandards einer adäquaten, klimatisch und konservatorisch befriedigenden Ausstattung baulicher Art.
Verlust der Kulturgüter
Das ist aus Sicht von Julia Schulte to Bühne eine „dringende Notwendigkeit – andernfalls droht ein nicht wieder gut zu machender Kulturgutverlust in großem Ausmaß.“ 20 Millionen Euro ist die Gesamtsumme, die insgesamt in den nächsten Jahren aufgebracht werden müsste für die Weiterentwicklung des Museums, die Sanierung, die Modernisierung sowie den Neubau eines Museumsdepots.
Wimberg mit Idee
Landrat Johann Wimberg hatte für Minister Thümler eine interessante Option: Eine in Aussicht gestellte Bundesförderung über drei Millionen Euro, gestreckt auf die kommenden drei Jahre. Allerdings muss diese Summe zu 50 Prozent gegenfinanziert werden. Somit würden am Ende sechs Millionen Euro aus den Töpfen des Bundes, des Landes und der kommunalen Partner an das Museumsdorf gehen. „Wir würden diese drei Millionen Euro gern für die Zukunft des Museumsdorfes sichern und uns an der Gegenfinanzierung beteiligen.“ Er sei zuversichtlich, dass die Landkreise Cloppenburg und Vechta und die Stadt Cloppenburg anteilig gemäß Ihrer Beteiligung an der Stiftung mitgehen würden, erklärte Wimberg und bezog sich dabei auf Rücksprachen mit seinem Landratskollegen Herbert Winkel aus Vechta und Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese.
Alle drei Hauptverwaltungsbeamten wollten in Ihren politischen Gremien für ein solches Modell werben, so Wimberg weiter. Und die Museumsdirektorin Schulte to Bühne versprach: „Damit schafft es mein Team, die Gebäude langfristig in Stand zu halten.“ Am Ende würden pro Jahr 800 000 Euro durch das Land und 200 000 Euro durch die drei Kommunen geschultert werden, um jeweils eine Million Euro vom Bund zu erhalten.
Offene Ohren
Minister Thümler hatte offene Ohren für die Belange des Museums und versprach Unterstützung. Auch die drei Landtagsabgeordneten, Christoph Eilers, Karl-Heinz Bley und Dr. Stephan Siemer, der stellvertretende Bürgermeister Hermann Schröer und Vechtas Landrat Herbert Winkel waren von Wimberg eingeladen worden und warben unisono für eine auskömmliche Finanzierung.
Minister Thümler erklärte, dass er sich bei den bevorstehenden Etatplanungen zum niedersächsischen Landeshaushalt einmal mehr für die Belange des Freilichtmuseums einsetzen werde. Er werde das Thema in Gesprächen mit dem Finanzminister ganz oben auf die Agenda setzen.
