Cloppenburg - Handball-Drittliga-Neuling TV Cloppenburg war in der Saison 2020/21 nicht vom Glück verfolgt. Spät zum Aufsteiger berufen, mehr Lockdowns als die Liga-Konkurrenz hinter sich und nur drei Spiele bestritten, ehe der Punktspielbetrieb abgebrochen wurde. Dann entschied der sehr beliebte und enorm engagierte Trainer Barna-Zsolt Akacsos, nach vierjähriger Tätigkeit wegen des enormen Aufwandes kürzer treten zu wollen.
Doch schneller als erwartet wurde diese große Lücke geschlossen durch den 63-jährigen Leszek Krowicki, ehemaliger polnischer Nationalspieler (26 Länderspiele), der durch seine Tätigkeit als Coach des Frauenhandball-Bundesligisten VfL Oldenburg von 2005 bis 2017 und seine Erfolge (siehe Infobox) in der hiesigen Region besonders bekannt ist.
Mehrere Aufgaben
„Als ich den Anruf und das Angebot vom TV Cloppenburg bekam, habe ich nicht lange überlegen müssen. Denn es passt alles“, sagt Krowicki, der seit 15 Jahren in Metjendorf wohnt und mit seiner Frau sesshaft geworden ist. Da er bei einem Weiterbildungsunternehmen von Franz-Josef Kettmann beschäftigt ist mit Büros unter anderem in Emstek, Garrel und Cloppenburg passt es auch beruflich. „Ich bin Franz-Josef sehr dankbar für die berufliche Chance aber auch für das Verständnis, das Traineramt beim TVC anzunehmen“, sagt Krowicki. Er hatte schon mehrfach während seiner Tätigkeit beim VfL Oldenburg beim BV Garrel, dem Team von „Mister Handball“ Franz-Josef Kettmann, für Nachwuchsspielerinnen aber auch die Frauen Übungsstunden abgehalten. Er würde dies auch in Zukunft beibehalten wollen wie auch die Qualifizierung der Trainer, was Krowicki nun auf den TVC ausweiten wird, womit die Vertiefung der Zusammenarbeit der beiden heimischen Drittligisten weitergeführt werde.
Leszek Krowicki wurde in Danzig an der Ostsee am 9. November 1957 geboren.In der polnischen Nationalmannschaft absolvierte der Linksaußen insgesamt 26 Länderspiele.Nach Ende seiner Karriere arbeitete er für kurze Zeit als Sportjournalist.Mit 28 Jahren übernahm er seinen ersten Trainerjob beim Frauenteam von Start Gdansk.
Für drei Jahre (1995 bis 1998) trainierte er die niederländische Nationalmannschaft der Männer. Danach übernahm er das in der Zweiten Liga stark abstiegsgefährdete Team TSG Bielefeld, führte es nach oben, erreichte das DHB-Pokal-Viertelfinale und verpasste das Final-Four nach einer Niederlage gegen den Bundesligisten TBV Lemgo.
Von 1999 bis 2004 trainierte er den Frauen-Bundesligisten Buxtehuder SV.
Von 2005 bis 2017 trainierte er den Frauenhandball-Bundesligisten VfL Oldenburg mit dem EHF-Challenge-Cup-Gewinn (2008), zwei DHB-Pokalsiegen (2009, 2011) und einem Supercup-Gewinn (2009) als den größten Erfolgen.
Von 2016 bis 2019 trainierte er die polnische Frauen-Nationalmannschaft.
Für Krowicki, der Anfang Juli als Trainer beginnt, hat die Einarbeitung längst begonnen – mangels Spielbeobachtung, steht das Videostudium ganz oben an. „Ich liebe den Handball, und mir geht das Herz auf, wenn sich sehe, wie in Cloppenburg dieser Sport vom fantastischen Publikum immer wieder getragen wird“, so Krowicki, der mit den Spielern in Kontakt steht, vor allem mit dem Kapitäns-Duo Ole Harms und Erik Gülzow.
Erik Gülzow muss passen
„Leider wird Erik seine Handballkarriere verletzungsbedingt beenden, aber dem Verein in irgendeiner Funktion erhalten bleiben“, muss Krowicki einen schweren Verlust hinnehmen, rechnet aber damit, dass der größte Teil bleiben wird. Schließlich verfolgt Krowicki eine ähnliche Handball-Philosophie wie sein Vorgänger Akacsos der, wie er betont, einen exzellenten Job gemacht habe und mit dem er demnächst Kontakt aufnehmen werde. Viel Tempohandball, um durch einfache Tore zum Erfolg zu kommen, solle dabei im Blickpunkt stehen.
Wie handballverrückt im positiven Sinne Krowicki ist, zeigte sich, als er Trainer des VfL und der polnischen Nationalmannschaft war. So fuhr er am Samstag von Oldenburg die 500 Kilometer nach Stettin, um das Nationalteam zu betreuen, fuhr anschließend zurück, um am Sonntag beim Bundesligaspiel des VfL wieder auf der Bank zu sitzen . . .
