Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Lockerungen In Altenheimen Im Landkreis Cloppenburg Spaziergänge als erste Schritte zur Normalität

Cloppenburg - Auch die längste Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. In diesem Fall führt dieser hinaus aus einem Altenheim, als Beginn eines Spaziergangs oder eines kleinen Einkaufs. Es ist ein Schritt zu mehr Lebensqualität und ein Schritt auf dem langen Weg zurück zur Normalität. Die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollen auch außerhalb ihrer Einrichtung wieder soziale Kontakte pflegen können. Das ist leicht in einen Erlass geschrieben, aber unter den gegebenen Umständen einer Pandemie schwer umzusetzen. Die Seniorenheime im Landkreis Cloppenburg bemühen sich in diesen Tagen, ihren Bewohnern wieder mehr Freiheiten zu geben, ohne dabei den Schutz vor dem Corona-Virus aus den Augen zu verlieren.

Lernprozess

Matthias Hermeling, Stiftungsvorstand des St. Pius Stifts Cloppenburg, hält es grundsätzlich für richtig, „dass die Bewohner wieder rauskommen und ein bisschen Normalität einkehrt“, sieht die Lockerungen aber auch als gewisses Risiko und Teil eines Lernprozesses. Dreimal die Woche berät er sich mit seiner Hygiene-Kommission, und immer geht es auch darum, was bisher gut und was schlecht gelaufen ist. So müssen sich auch die Ideen, wie die aktuelle Lockerungsstufe am sichersten umzusetzen ist, in der Praxis bewähren. Es sei nun etwa geplant, je ein zweistündiges Fenster für Ausgänge am Vormittag und am Nachmittag zu schaffen. Auf einem Formular sollen zunächst Angaben gemacht werden, wohin es geht, wer die Begleitperson ist, wie lange die Person in etwa weg sein wird usw. „Bisher hatten wir bildlich gesprochen eine Käseglocke über unserer Einrichtung“, sagt Hermeling. „Die heben wir jetzt etwas an. Umso wichtiger wird es sein, innerhalb der Einrichtung auf die 1,50 Meter Abstand zu achten.“

Schließlich soll sich das Virus, wenn es trotz Desinfektionen und Mund-Nasen-Schutz doch ein Einwohner mitbringen sollte, nicht in dem Seniorenzentrum ausbreiten. Das erhöht den Druck, genau aufzupassen – auf jeden Einzelnen.

Belastung von Familien

Hermeling merkt aber auch, wie der Druck durch die betroffenen Familien in der Tagespflege größer wird. „Das ist für die Familien, die zu Hause pflegen, schon eine große Belastung. Wir haben zurzeit nur eine Notfallbetreuung mit einer Belegung von 50 Prozent“, sagt der Stiftungsvorstand.

Dennis Klammt (Einrichtungsleitung im Cura Vitalis) sieht den neuen Erlass aus Hannover kritisch. „Wie soll ein Heimbetreiber die Verbreitung des Corona-Virus in seiner Einrichtung verhindern, wenn die Bewohner jetzt in den Supermarkt gehen? Wenn sich das Virus dann bei uns ausbreitet, heißt es wahrscheinlich noch, dass wir nicht gut genug aufgepasst haben.“

Was Klammt auch stört, ist die fehlende Einheitlichkeit. „Wenn ich einen Neuzugang habe, muss der erst mal sieben bis 14 Tage in Quarantäne. Bei Bewohnern, die draußen waren, wird das aber nicht verlangt.“ Als Erstes galt es für das Cura Vitalis, wie für die anderen Alten- und Pflegeheime auch, das Hygienekonzept dem neuen Erlass anzupassen.

Auch Kerstin Thoben, Pflegedienstleitung im Wohnpark Lokschuppen, hat der neue Erlass zusätzliche Arbeit gemacht. Dennoch: „Auch wir vom Wohnpark Lokschuppen haben unser Hygienekonzept angepasst. Natürlich haben auch wir das Risiko immer im Kopf präsent, und es fordert auch einige Regeln, die zu beachten sind, um mehr Freiräume zu schaffen. Aber nach der langen Zeit wollen wir unseren Bewohnern mehr Lebensqualität, Freude und Wohlbefinden schenken.“

Aber es gelte natürlich, einige Regeln zu beachten: Die Mitnahme eines Mund-Nasen-Schutzes sei zwingend erforderlich und zu tragen, wo es notwendig sei. Beim Verlassen und beim Wiedereintreffen in der Einrichtung sei eine Händedesinfektion vorgeschrieben.

Spaziergänge auf dem Gelände seien jederzeit allein möglich, aber die Abstandsregelung zu anderen von 1,5 Metern müsse beachtet werden. Einkäufe seien nur in Begleitung des Betreuungs- oder Pflegepersonals möglich, erforderten zudem eine Terminabsprache und hätten keinen festen zeitlichen Rahmen.

Spaziergänge auf dem Gelände und/oder außerhalb des Geländes ohne Begleitung oder mit Angehörigen, seien in der Zeit von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 Uhr bis 17 Uhr möglich. Sie seien an eine Informationsweitergabe des Bewohners gebunden. Spaziergänge mit Rollstuhlfahrern seien nur mit Betreuungs- oder Pflegekraft möglich, da der Sicherheitsabstand beim Schieben nicht eingehalten werden könne.

AHA-Formel beachten

Als Infos müssten Zielangabe und die Angabe von Kontaktpersonen während des Spaziergangs hinterlegt werden. Die Einhaltung der AHA-Formel sei dringend erforderlich. AHA steht für Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmasken. Nach dem Spaziergang wird erfasst, ob es währenddessen noch Kontakt zu anderen Personen gab.

Und so geht es Schritt für Schritt in Richtung Normalität. Ob sich die Zeit bis dahin wie ein Spaziergang anfühlt, bleibt allerdings abzuwarten.

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden
Mit Video
Nach der Sprengung inspizierten Midgard-Beschäftigte die Überreste der Verladebrücke.

KRANSPRENGUNG IN NORDENHAM Koloss aus Stahl fällt in 15 Sekunden zusammen

Norbert Hartfil
Nordenham
Wo ist der Obdachlose hin? Kurz vor der Einmündung des Heidkamper Wegs in die Metjendorfer Straße in Neusüdende hatte sich der Mann mehrere Monate aufgehalten.

MANN WIRD MEDIZINISCH BETREUT Polizei und Landkreis räumen Obdachlosen-Schlafplatz in Neusüdende

Frank Jacob
Neusüdende