Cloppenburg - Mittwoch, 9.15 Uhr: Friedlich grast eine vierköpfige Rinderherde auf der großen Weide hinter der Bockwindmühle im Museumsdorf Cloppenburg. An der Tränke liegt ein offenbar noch ganz junges Kalb und döst vor sich hin. Offenbar will es sich noch ein wenig ausruhen. Es scheint zu wissen, dass es schon um halb Zehn seinen großen Auftritt hat.
Name von Praktikantin
Den Namen „Lou“ hat sich Louisa Dröge ausgedacht: Die 15-jährige Cloppenburgerin absolviert zurzeit ein Praktikum im Niedersächsischen Freilichtmuseum. Und nun soll der kleine Bulle auch ganz offiziell getauft werden. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, wie sich später noch herausstellt.
Ganz aufgeregt sind auch schon die Mädchen und Jungen des Cloppenburger Waldkindergartens. Die Einrichtung pflegt seit ihrer Gründung vor 21 Jahren eine Kooperation mit der Museumsdorf-Pädagogik unter der Leitung von Maria Thien. Einmal in der Woche kommen die Kinder hierher – unter anderem, um im Garten zu arbeiten oder das Beet vor dem Wegekreuz beim Quatmannshof zu pflegen.
Sie haben die Patenschaft für „Lou“ übernommen. Und wie es sich für gute Paten gehört, bringen die Kinder in ihrem Bollerwagen ein kleines Geschenk mit – ein Holzschild mit dem Namen des Kalbs.
Landwirt verhindert
Doch nun zur eigentlichen Taufe: Da Landwirt Heiner Harling aus Nikolausdorf, der die Rinderherde ans Museumsdorf verpachtet hat, kurzfristig verhindert ist, ruft Museumschefin Dr. Julia Schulte to Bühne eilig per Mobiltelefon Museumsmitarbeiterin Jutta Tellmann herbei, die ansonsten eigentlich eher für den Gartenbereich zuständig ist. Doch die Dame, die eilig angeradelt gekommen ist, muss noch einmal zurückfahren. Denn sie hat festgestellt, dass noch Strom auf dem Zaun ist – und die zahlreichen Fotografen sollen doch keinen Schlag bekommen.
Auf der Weide angekommen, muss Tellmann nur einmal den Futtereimer schütteln – und schon kommen die Rinder angelaufen. Nur leider der Hauptdarsteller „Lou“ nicht, er verfolgt das Treiben aus sicherer Entfernung mit skeptischem Blick.
In Stiefeln auf die Weide
Nun nimmt die Museumschefin das Heft in die Hand. Schulte to Bühne, passend ausgestattet mit Gummistiefeln, betritt die Weide, klatscht in die Hände und treibt das Kalb so tatsächlich ein ganzes Stück näher an die Fotografen heran. Ablichten am Ende ja, aber mit Taufwasser bespritzen lässt sich „Lou“ nicht.
So viel Aufregung nach nicht einmal acht Tagen auf dieser Welt – ist „Lou“ doch erst am 7. Juli auf der Wiese geboren worden. „Die Geburt eines Tieres im Museumsdorf gehört damit nun auch zum musealen Alltag“, stellt Schulte to Bühne zufrieden fest.
