Cloppenburg - Die Querflötenklänge kommen nur elektronisch bei Lehrerin Petra Heuer an. Während es für die Blasinstrumente und die Sänger weiterhin Unterricht per Videochat heißt, werden andere Schüler der Kreismusikschule Cloppenburg seit Montag wieder in den Räumen der Musikschule unterrichtet.

Circa 80 Prozent ihrer Schüler würden das Angebot, über Video unterrichtet zu werden, annehmen. Für Heuer war das Unterrichten per Video technisch völliges Neuland. Sie sieht die Online-Variante als eine „gute Alternative, aber mit Einschränkungen“. Klanglich feine Differenzen herauszuhören, sei beinahe unmöglich. „Dennoch habe ich den Eindruck, die Schüler freuen sich über die Abwechslung.“ Eine Schülerin bereite sich auf ein Studium im musikalischen Bereich vor. Für sie sei es nun besonders wichtig, dass das Üben weitergehe. Heuer bewundert ganz allgemein, „wie diszipliniert die Schüler sind. Sie stecken die Kontaktsperre gut weg“.

Damit die Musiklehrer weiter unterrichten können, ließ Kreismusikschul-Leiter Ulrich Schmidt Ende März die W-LAN-Verbindung aufbessern und iPads für die Lehrkräfte anschaffen. Die Schüler zahlten für den April keine Unterrichtsgebühren, und auch für den Mai werden keine fällig werden. Unterstützt wird die Musikschule dabei von der Dr.-Hildegard-Schnetkamp-Stiftung. Eine dauerhafte Alternative sei die Online-Verbindung für die 3500 Schüler nicht.

Wieder seit Montag in Schulräumen unterrichtet werden Klavierschüler sowie alle Schüler, die Streichinstrumente spielen oder am Schlagzeug unterrichtet werden.

Für Klavierlehrer Jongyeol Choi bedeutet das weitestgehend Normalität – oder nicht? „Die Klaviere werden vor jedem neuen Schüler desinfiziert, und die Schüler müssen die Hände waschen“, sagt er. Außerdem gilt auch hier der Mindestabstand, an den sich selbst Chois jüngster Schüler, ein Fünfjähriger, brav halten muss. „Wenn ich etwas auf den Notenblättern zeigen muss, dann trage ich Handschuhe“, ergänzt Choi.

„Es geht so nach und nach wieder los“, kann Schulleiter Schmidt nach den ersten zwei Tagen mit Präsenzunterricht sagen. Im Gebäude der Musikschule am Bült herrscht auf den Fluren eine Maskenpflicht und es wird viel gelüftet. Auch der Musikunterricht in anderen Schulgebäuden kann wieder aufgenommen werden.

Um demnächst für alle öffnen zu können, steht die Musikschule in Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Es gibt laut Schmidt die Möglichkeit, Trennwände aus Folie zu spannen. Offen ist, wie notwendig die sind. „Die Luftverwirbelung, die beim Spielen eines Blasinstrumentes entsteht, hat eine geringere Reichweite als die, die beim Sprechen entsteht“, erklärt Schmidt eine Theorie.