Cloppenburg - Autos raus oder alles so lassen, wie es ist? Um diese Frage drehte sich am Mittwochabend im Wesentlichen die Bürgerversammlung zur Sanierung der Mühlenstraße in der Cloppenburger Stadthalle. Eingeladen hatte die Stadt Cloppenburg interessierte Bürger.
115 Anmeldungen zählte die Stadtverwaltung. Die coronabedingt begrenzte Teilnehmerzahl sei fast komplett ausgeschöpft, freute sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese zur Begrüßung über das große Interesse. „Der Rat muss am Ende bestimmen, was mit der Mühlenstraße passieren soll. Je mehr wir erfahren, wie die Straße genutzt werden soll, umso besser“, so Wiese.
Und so hatten die beauftragten Planer vier Varianten für die Mühlenstraße mitgebracht, die von den Versammlungsteilnehmern diskutiert wurden.
Variante 1
Die Mühlenstraße wird als Fußgängerzone weitergeführt. Radfahrer dürfen hier dann nicht mehr fahren.
Variante 2
Hier ist eine Radverbindung durch die Mühlenstraße geplant. Radler dürfen weiterhin in beide Richtungen fahren.
Variante 3
Autos dürfen die Mühlenstraße befahren, allerdings sind dann keine Parkbuchten wie bisher vorgesehen.
Variante 4
Die Mühlenstraße bleibt weiterhin befahrbar. Allerdings würden die Parkplätze reduziert.
Die Reaktionen
„Autos raus!“, war beispielsweise die Meinung von Kerstin Framme von Brille Framme. Sie plädierte für Variante 2. Viele Kaufleute hätten Parkflächen an ihrem Geschäft. Außerdem sollte die Mühlenstraße zum Flanieren da sein. Sie erhoffe sich außerdem eine Stärkung der Gastronomie. „Das Auto hat in der Mühlenstraße nichts zu suchen“, war die Meinung von Michael Bertschik vom Cloppenburger ADFC. „Der Autoverkehr in der Mühlenstraße ist eine Katastrophe“, sagte Iris Löper vom Beirat für Menschen mit Behinderungen.
Für eine Fußgängerzone plädierte Dr. Jürgen Vortmann. Auf dem Weg zur Fahrradstadt könne aber nur die Variante 2 folgerichtig sein. Mehr Ruhe und Sicherheit wollte eine Anwohnerin. Abends und am Wochenende werde die Mühlenstraße zur Automeile. Die Planer wunderten sich, dass kein Geschäftsmann eine Lanze für den Autoverkehr in der Mühlenstraße brach. Sie machten außerdem auf mögliche Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern aufmerksam.
Auf positive Resonanz stieß die Umgestaltung der Einfahrt an der Osterstraße sowie die Erhöhung der Aufenthaltsqualität an der Soeste. „Wenn wir dort Event-Gastronomie anbieten, müssen die Gastronomen davon leben können“, mahnte Wiese.
Wie geht’s weiter?
Ende des Jahres soll die Vorzugsvariante von den politischen Gremien festgelegt werden. Im Frühjahr 2021 soll der erste Entwurf stehen, im Herbst folgt die Ausschreibung. Ab Frühjahr 2022 sollen die Bagger rollen, fertig soll alles Mitte 2023 sein.
Das Sanierungsgebiet
Insgesamt soll rund um die Mühlenstraße ein 8,8 Hektar großes Gebiet städtebaulich saniert werden. Knapp 12,7 Millionen Euro werden investiert. Diese Summe wird je zu einem Drittel von Bund, Land Niedersachsen und Stadt Cloppenburg getragen. Die Städtebauliche Sanierung soll dazu dienen, die Straße aufzuwerten und zu optimieren. Außerdem soll der Uferbereich der Soeste besser eingebettet werden, auch die Umgestaltung der anliegenden Parkplätze (Antoniusplatz, Bgm.-Heukamp-Parkplatz, Hofkamp, Am Krankenhaus) wird angegangen. Der Sanierungszeitraum ist auf zehn Jahre festgelegt.
In den kommenden Wochen soll mit dem Bau der Brücke über die Soeste vom Krankenhaus zum Bgm.-Heukamp-Parkplatz ein erster Schritt aus dem Programm erfolgen. So werde auch eine Entlastungsstrecke für die Mühlenstraße geschaffen.
Was ist Ihre Meinung zur Mühlenstraße? Wir freuen uns über Ihre Reaktion unter red.cloppenburg@nwzmedien.de.
