Cloppenburg - Mit digitalem Unterricht auf der Überholspur? Das niedersächsische Kulturministerium jedenfalls setzt volle Kraft auf digitale Unterrichtsformen – gerade angesichts der Corona-Krise zeigt sich deutlich, wie wichtig dieser Weg ist. Auch der Landkreis Cloppenburg schreibt sich auf die Fahnen, die Schulen für die digitale Zukunft auszustatten. Doch die Realität hält damit offenbar nicht mit, zeigt das Beispiel Berufsbildende Schulen am Museumsdorf in Cloppenburg.
Von fehlenden W-Lan-Kapazitäten wurde der NWZ bereits vor der Corona-Krise berichtet, die Folge: Nur die Hälfte einer Klasse habe überhaupt Zugang zum Netz. Mobile Daten? Kein Empfang. Die Folge ist Frust bei Schülern und Lehrkräften, die auf digitale Lernmethoden setzen.
An den für viel Geld angeschafften Smartboards könne nur ein Teil der Funktionen genutzt werden. Die Dokumentenkameras funktionierten teils nicht. Auch personelle Engpässe seien mit ursächlich für das Dilemma, hieß es.
Zudem würden Lehrer in die Entscheidungsprozesse in Bezug auf die Digitalisierung nicht eingebunden. 3000 Schüler und 180 Lehrer bräuchten eine funktionierende Hard- und Software, und diese könne nur von einem hauptamtlichen Kollegen gewährleistet werden. Auch im Selbstlernzentrum, das vor fünf Jahren eingerichtet wurde, läuft nach NWZ-Informationen inzwischen nur noch die Hälfte der Rechner.
„Die IT-Infrastruktur der Schule bezüglich Netzwerk, Server und dessen unterbrechungsfreie Stromversorgung befinden sich auf dem derzeitigen Stand der Technik und wird einer stetigen Revision unterzogen“, versichert dagegen Landkreis-Pressesprecher Frank Beumker. Er verweist auf die Digitalisierungsstrategie, die der Kreistag im Dezember 2019 auf den Weg gebracht hatte und von der auch die BBS a. M. profitiert.
Die kreiseigenen Schulen einigten sich demnach auf Standards, anhand derer die Schulen ausgestattet werden sollen. Nach Gesprächen mit der Schulleitung der BBS soll die Berufsschule laut Beumker bis 2023 voll mit interaktiven Tafeln ausgestattet sein. Vorgesehen sei zudem, dass eine duale Administration innerhalb der Schulen eingerichtet wird. Nach aktuellem Stand bestehe für die BBS a. M. eine Vor-Ort-Betreuung von 20 Stunden pro Woche durch einen externen IT-Dienstleister.
Zudem sei in Abstimmung mit der Schulleitung für die Störungsannahme eine eigene Hotline eingerichtet worden, die innerhalb der Präsenzzeiten auf das Mobiltelefon des Technikers umleitet und außerhalb der Präsenzzeiten eine digitale Mailbox für Sprachnachrichten bereithalte. Bestandteil des Supports sei ein schulinternes Ticketsystem, das in das bestehende Schulmanagement-System integriert sei. Schwierigkeiten habe es wegen einer Insolvenz des letzten Dienstleisters im Dezember 2019 für einen „kurzen Zeitraum“ gegeben, so die Kreisverwaltung. Nunmehr sei jedoch ein neuer IT-Dienstleister beauftragt worden.
Die in den vergangenen Monaten gelieferten interaktiven Tafeln seien bereits installiert und vollständig im Betrieb. Hinsichtlich der Ausstattung des Selbstlernzentrums und auch diverser anderer Räume habe es eine Begehung der Schule gegeben. Ergebnis sei, dass diese Bedarfe durch eine europaweite Ausschreibung gedeckt werden sollten.
Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie ist zudem vorgesehen, die an den Schulen tätigen Bediensteten mit digitalen Endgeräten auszustatten. Innerhalb der Gymnasien und Förderschulen im Kreis erfolgt dies mit Tablets. In den Berufsbildenden Schulen besteht jedoch eine davon gesonderte Sachlage, da andere Systeme im Einsatz sind. An der BBS a. M. soll in einer Testphase geprüft werden, ob Tablets oder aber Notebooks erforderlich sind, so der Kreis.
Grundsätzlich sei bei der BBS a. M. ein großflächiges W-Lan vorhanden, das zudem fortlaufend ausgebaut werde. Für eine intensive außerschulische Nutzung des W-Lan-Netzwerkes über die mobilen Endgeräte der Schüler (Mobiltelefone usw.) genügen die Kapazitäten jedoch derzeit nicht. Nach aktuellem Stand sind zwischen 500 bis 1000 Nutzer gleichzeitig im W-Lan.
