Cloppenburg - Mit einem gemütlichen Grillfest und der feierlichen Einsegnung durch Pfarrer Bernd Strickmann weihte das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) am Donnerstagnachmittag zwei neue Außenwohngruppen für psychisch erkrankte Menschen in Emstekerfeld ein. Das Doppelhaus, in dem insgesamt zehn Männer und Frauen wohnen, befindet sich in der Trägerschaft des St.-Josefs-Stifts Cloppenburg und bietet den hier lebenden Menschen die Möglichkeit für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben.

Lutz Birkemeyer, Geschäftsführer des St.-Josefs-Hospitals, erinnerte in seiner Begrüßungsansprache an das im Grundgesetz verankerte Recht auf menschenwürdiges Wohnen. „Ich denke, dass wir mit diesem Haus einen wichtigen Beitrag leisten, dass die uns anvertrauten Personen hier ein menschenwürdiges Zuhause finden“, freute sich Birkemeyer und dankte auch den Nachbarn dafür, dass die Bewohner gut aufgenommen und bereits in die Nachbarschaft integriert wurden. „Heute ist ein echter Glückstag für uns alle“, dankte er allen Beteiligten dafür, dass die Wohngruppe so schnell realisiert werden konnte. Nach ersten Überlegungen im September 2017 wurde die erste Haushälfte bereits im Oktober 2017 und die zweite Haushälfte im Juli 2018 erworben. Die Investitionssumme betrug insgesamt 600 000 Euro. Unterstützt wurde das Projekt von der Aktion Mensch mit 103 935 Euro.

„Die Wohnumgebung ist ein prägendes und lebensbestimmendes Indiz für ein zufriedenes und erfülltes Leben. Die eigene Wohnung ist als Lebensmittelpunkt wichtig für Vertrautheit, Sicherheit und Geborgenheit. Sie ist insbesondere für den psychisch kranken Menschen sozusagen der Anknüpfungspunkt für die Rückgewinnung verlorener Fähigkeiten“, machte GPZ-Leiter Clemens Rottinghaus die Bedeutung der neuen Wohngruppe für die hier lebenden Menschen deutlich.

Er betonte, dass die dezentrale Wohnmöglichkeit, die Nachbarschaft, die Nähe zum Supermarkt oder zum Sportverein für die Bewohner wichtig seien, da die Bewohner hier wichtige Schritte in die Verselbstständigung in allen Lebensbereichen vollziehen könnten. Rottinghaus dankte allen Beteiligten und Unterstützern für die Realisierung des Projektes.

Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte Dr. Daniel Tabeling vom Gesundheitsamt. Er betonte, dass mit dem Wohngruppen-Angebot ein wichtiger Grundstein für die Versorgung von psychisch Kranken im Landkreis gelegt worden sei.

„So richtig freue ich mich erst, wenn solche Wohngruppen nichts Besonderes mehr sind“, betonte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) in seinem Grußwort. Er machte deutlich, dass die Integration und das selbstbestimmte Leben von psychisch Erkrankten wichtige gesellschaftliche Aufgaben seien.

Für Unterhaltung und auch nachdenkliche Töne sorgten Johannes Wilhelm und Carsten Frank von der Theaterwerkstatt Kunstburg mit schauspielerischen Improvisationen.

Die Bewohner der beiden Wohneinheiten werden morgens und abends von Mitarbeitern des GPZ betreut. Außerdem besteht eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Den Alltag mit seinen vielfältigen Aufgaben, wie zum Beispiel den Einkauf organisieren, putzen oder die Gartenarbeit erledigen, organisieren die Bewohner selbstständig. Ihr Ziel ist es, eines Tages in die eigene Wohnung zu ziehen und selbstständig das eigene Leben zu meistern. Mit dem Einzug in die Außenwohngruppe haben sie bereits einen großen Schritt auf diesem Weg getan.